Die GAP im Wandel

Arche Noah/schewigfotodesign

GAP Reform: Zukunft unserer Landwirtschaft

Die derzeitige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU macht etwa 40% des Gesamtbudgets der EU aus und legt die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in der EU fest. Sie läuft noch bis 2020, der Reformprozess hat allerdings schon begonnen.

ARCHE NOAH setzt sich für eine tiefgreifende Reform ein, welche die derzeitige GAP in eine effiziente sowie beständige Politik umformen soll sowie ein nachhaltiges Nahrungsmittel- und Landwirtschaftssystem, das die Vielfalt von Kulturpflanzen schützt, nutzt und weiterentwickelt, fördert.

Gutes Essen, Gute Landwirtschaft!

Als Verein, der sich mit der Erhaltung und dem nachhaltigen Umgang von Kulturpflanzen Vielfalt beschäftigt, sind wir der Meinung, dass die GAP in zahlreichen Bereichen gescheitert ist, wie im Umweltschutz, der öffentlichen Gesundheit oder der sozialen Gerechtigkeit in Europa.

Das hat uns auch dazu veranlasst, an der Ausarbeitung der zivilgesellschaftlichen Erklärung „Good Food, Good Farming – Now!“ (Gutes Essen, Gute Landwirtschaft – Jetzt!), die eine fundamentale Reform der GAP fordert, teilzunehmen.

Wir sind der Überzeugung, dass die GAP eine substanzielle Reform benötigt, da es trotz zahlreicher Reformen und der Einführung von Umweltschutzmaßnahmen, weiterhin ein Agrar– und Ernährungssystem unterstützt, das nicht nur für die Biodiversität und landwirtschaftliche Ökosysteme, sondern auch für unsere Gesellschaft schädlich ist. Wir glauben nicht, dass kurzfristige Anpassungen landwirtschaftlicher Arbeitsweisen durch mehr „Greening“ langfristige Lösungen für die systemischen Fragen liefern, welche der europäischen Agrarpolitik und -produktion inhärent sind.

Stattdessen muss die GAP von Grund auf neu aufgebaut werden. Die Fundamente müssen gestärkt und die gesamte Bandbreite der europäischen Landwirtschaft miteinbezogen werden. Die vielfältigen Lebensmittelproduktionssysteme in ländlichen Gemeinschaften, welche tragfähig und widerstandsfähig sind und auch die landwirtschaftliche Realität in Europa widerspiegeln, müssen dabei größere Beachtung finden.

ARCHE NOAH steht für eine radikale Umformung der GAP, welche tatsächlich die „UN Sustainable Development Goals“ erreichen kann und Antworten auf die großen Herausforderungen, wie Klimawandel, Migration, sozialen Zusammenhalt und die Verödung von ländlichen Gebieten, gibt.

Um mehr über unsere Position zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU zu erfahren, klicken Sie hier.

Wir halten Sie über die nächsten Schritte im Reformprozess am Laufenden!

 

Was ist die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)?

 
 

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) ist der Rahmen, in welchem Landwirtschaft, Umweltmaßnahmen, ländliche Entwicklung sowie Handelspolitik in der EU reguliert werden. Seit den Anfängen der EU zählt die Agrarpolitik zu den wichtigsten Aufgabenfeldern der europäischen Politik und wurde seitdem schon einigen Reformen unterzogen. Die GAP stellt mit 40% des EU-Haushalts den weitaus größten Posten im Budget dar.

 
 
 

Was sind die Ziele der GAP?

 
 

Die GAP hatte ursprünglich zum Ziel die Produktivität der Landwirtschaft zu steigern, ein sicheres Einkommen für die landwirtschaftliche Bevölkerung zu gewährleisten, die Märkte zu stabilisieren, die (Lebensmittel)Versorgung sicherzustellen sowie für angemessene Verbraucherpreise zu sorgen.

Die GAP besteht aus zwei Säulen. Die erste Säule umfasst die Markt- und Preispolitik, welche die Unterstützung von Landwirt*innen durch Direktzahlungen umfasst sowie Preisinterventionen, Produktionsquoten, Exportsubventionen und Importzölle, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken sowie Preisschwankungen auszugleichen. Die zweite Säule umfasst die meisten Umwelt- und ländlichen Entwicklungsmaßnahmen.

 
 
 

Wie hat sich die GAP bisher entwickelt?

 
 

Das anfängliche System der Preisgarantien hatte immense Überschüsse zur Folge. Diese führten zu Handelskonflikten, da sie mittels Exportsubventionen auf den Weltmärkten abgesetzt wurden.

Im Jahr 1992 kam es daher zu der bisher weitreichendsten Reform: Die bisherigen Preisgarantien wurden auf direkte Zahlungen an Landwirt*innen umgestellt. Zudem wurde die zweite Fördersäule für Umwelt- und ländliche Entwicklungsmaßnahmen eingeführt.

Auch die folgenden GAP-Reformen führten diese Entwicklungen fort. Es kam zu einer schrittweisen Verlagerung von der Förderung von Produktionsmengen zu einem pauschalen System der Flächenprämien, die sogenannte „Entkoppelung“. Darüber hinaus wurden Zahlungen zunehmend auch an Umweltauflagen geknüpft.

Es gab allerdings keine grundsätzliche Neuausrichtung oder Hinterfragung der bisherigen agrarpolitischen Ziele oder Instrumente. Die in der GAP verankerten systemischen Ungleichgewichte blieben bestehen.