Zwetschken Vielfalt auftafeln

Freiheit für die Vielfalt

Freiheit für die Vielfalt

EU-Bio-Verordnung auf der Zielgeraden

In Brüssel wird aktuell die EU-Bio-Verordnung neu verhandelt. In diesem Rahmen möchte das Europäische Parlament seltene Nutzpflanzen – vor allem Gemüse und Getreide – durch neue Saatgut-Kategorien fördern und so mehr Vielfalt zulassen. Denn das restriktive EU-Saatgutrecht beschränkt die Vielfalt von Gemüse, Getreide und Obst in Europa. Nur standardisierte, einheitliche Pflanzen sind für den breiten Markt zugelassen.

Nach einem Auf und Ab der Verhandlungen und einer Einigung im Trilog Ende Juni wurde die Entscheidung im EU-Rat nun auf Herbst vertagt. Wir halten Sie an dieser Stelle über die politischen Ereignisse am Laufenden!

Auch werden wir die Zeit nutzen nutzen  und die vorliegenden Texte genauer hinsichtlich der Auswirkungen für und Herausforderungen in der Praxis von Saatguthandel und -weitergabe analysieren.

(c) Martin Häusling

BIO-VO: Podiumsdiskussion um strittige Details

13.10.17: Am Freitag wurde die Debatte um die Details der neue BIO-Verordnung bei einer Podiumsveranstaltung in Berlin weitergeführt. Es diskutierten Abgeordnete, Verbandssprecher aus Unternehmen und Landwirtschaft, darunter auch Klaus Rapf von ARCHE NOAH, mit Verantwortlichen aus deutschen und europäischen Behörden. Ein Schwerpunkt der Diskussion lag insbesondere auf zukünftigen Kontrollmechanismen, Anforderungen an BIO-Lebensmittel, die nicht in der EU produziert wurden, und die Frage der Pestizidrückstände in Lebensmittel.

Eine wichtige Erneuerung stellt laut dem vorläufigen Kompromisstext auch die Öffnung des Saatgutmarktes dar, welcher bisher für Vielfaltssaatgut mit größerer genetischer und phänotypischer Diversität verschlossen ist. Dies würde durch die Schaffung neuer Saatgut-Kategorien mehr Vielfalt zulassen und damit den Reichtum unserer Kulturpflanzenvielfalt schützen.

Der Rat der EU-Agrarminister wird voraussichtlich im Dezember über den Kompromisstext abstimmen.

 
 
(c) Arche Naoh Schiltern

Bio-VO: Diskussion im EU-Rat auf Herbst vertagt

18.07.2017: ARCHE NOAH begrüßt die geplante Saatgut-Öffnung in der neuen Bio-Verordnung. Sie würde einen großen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Pflanzenressourcen mit sich bringen. Wie die Auswirkungen im Detail aussehen, welche Rechte und Pflichten sie in der Praxis für Bio-Bäuer*innen mit sich bringen wird, werden wir in den nächsten Monaten noch genauer analysieren.
Der geplante Meinungsaustausch im Europäischen Rat über die neue Bio-Verordnung wurde gestern kurzfristig verschoben. Der Text soll erst noch einer weiteren Prüfung und Anpassung unterzogen werden, damit das finale Dokument den politischen Konsens korrekt widerspiegelt. Die Diskussion durch die Minister ist nun im Oktober in Luxemburg angesetzt, kurz danach soll das EU-Parlament über die Bio-Verordnung entscheiden. Wir halten Sie hier über Entwicklungen am Laufenden und setzen uns dafür ein, dass die neue Bio-Verordnung größtmögliche Vorteile für Bio-Bäuer*innen und Konsument*innen mit sich bringt!

 
 
bued2

Wichtige Einigung über die EU-Bio-VO

30.6.2017: Ein Tag für die Vielfalt: Beim Trilog kam es gestern zwischen EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament zu einer Einigung über die neue Bio-Verordnung inklusive Saatgut-Öffnung.
Durch die Einrichtung der zwei neuen Saatgutkategorien „biologisches heterogenes Material“ und „biologisch gezüchtete Sorten“ sollen die Beschaffung, der Anbau und die Vermarktung einer stark erweiterten Bandbreite von Bio-Saatgut ermöglicht werden, so etwa von alten und seltenen Pflanzen, die die Kriterien der Homogenität durch die ihnen innewohnende genetische Vielfalt nicht erfüllen. Das bedeutet flexiblere Anpassung des Saatguts an regionale Klima- und Bodenbedingungen. Auch die Herausforderungen des Klimawandels werden so besser zu bewältigen sein. Nationale Datenbanken sollen es für Bio-Bäuer*innen zudem vereinfachen, das passende Saatgut für Ihre Bedürfnisse zu erhalten. Für Konsument*innen bedeuten die Änderungen mehr Variation auf den Tellern. Für Bäuer*innen bringen sie neue Chancen, ihr Saatgut selber zu vermarken.
Kleinen Akteur*innen, denen es bis jetzt nicht möglich war, das lange und kostspielige Prüfungsverfahren auf sich zu nehmen, soll es zudem künftig durch die Möglichkeit einer Gruppenzertifizierung erleichtert werden, ihre Bioprodukte zu vermarkten.
Nun müssen am 10.7. noch die EU-Regierungen zustimmen – wir halten Sie am Laufenden!

 
 
bunte Chili-Vielfalt (c) Doris Steinböck

EU-Bio-Verordnung: Die Verhandlungen gehen weiter!

13.06.2017: Nachdem es letzte Woche so aussah, als würde die neue EU-Bioverordnung nicht zustande kommen, wird nun doch politisch weiterverhandelt.

Der kürzlich präsentierte Kompromisstext sieht vor, neben standardisierten Sorten auch die Vermarktung von Saatgut mit größerer genetischer und phänotypischer Diversität im Bio-Sektor zu ermöglichen. Österreich hat am Montag (12.06.2017) im EU-Ministerrat bestätigt, dass es in Punkto Saatgut diesem Vorschlag des EU-Parlaments entgegenkommen will. Die Unterstützung von über 22.000 Menschen, die den Offenen Brief an Bundesminister Andrä Rupprechter unterschrieben haben, trägt also Früchte!

„Diese Öffnung wäre ein wichtiger Schritt, um mehr Variation auf unsere Felder und Teller zu bringen und damit den Reichtum unserer Kulturpflanzenvielfalt zu schützen. Bio-Landwirt*innen würden sich auch über ein größeres Angebot an Saatgut, das an regionale Klima- und Bodenbedingungen angepasst ist, freuen“, sagt Katherine Dolan, Bereichsleiterin Politik bei ARCHE NOAH.

Über die konkreten Formulierungen wird noch bis Ende Juni verhandelt – eine Entscheidung könnte noch vor der Sommerpause fallen! Unser dringlicher Appell an die Politik bleibt deswegen aufrecht, und wir werden uns dafür einsetzen, dass es zu einem bestmöglichen Ergebnis für die Saatgut-Vielfalt in der neuen Bio-Verordnung kommt. 

 
 

Neue EU-Bio-Verordnung vor dem Aus. VIELEN DANK AN ALLE UNTERSTÜTZER*INNEN!

31.05.2017: Eine wünschenswerte Änderung der Bio-Verordnung war in den letzten Wochen in greifbare Nähe gerückt: nicht-homogenes Saatgut würde endlich für den Anbau in der biologischen Landwirtschaft erlaubt werden! ARCHE NOAH forderte Minister Andrä Rupprechter gemeinsam mit 20.000 UnterstützerInnen in den letzten Tagen dazu auf, diese Vorschläge proaktiv zu unterstützen.

Seit Montag sieht es jedoch so aus, als sei die neue Bio-Verordnung bereits wieder Geschichte: Die Abschlussverhandlungen wurden abgesagt. Denn viele europäische Bioverbände und Mitgliedsstaaten forderten aufgrund verschiedener strittiger Punkte – wie z.B. die Kontrolle in Drittländern - einen Neustart für das Gesamtpaket.

Die Vorschläge für die Saatgut-Vielfalt, die nun wohl nicht im Zuge der Bio-VO umgesetzt werden können, sollen aus Sicht von ARCHE NOAH aber unbedingt weiterverfolgt werden.ARCHE NOAH wird sich in den kommenden Monaten dafür einsetzen, dass diese Änderungen zugunsten eines vielfältigeren, standortangepassten Angebots an biologischem Saatgut politisch umgesetzt werden.

 
 
Petitionsübergabe 2014: Andrä Rupprechter und Tonio Borg

Wir erinnern den Minster an sein Bekenntnis zur Vielfalt

24.05.2017: Erst vor wenigen Jahren haben über 500.000 Menschen die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ unterzeichnet. Bundesminister Andrä Rupprechter hat diese damals selbst an EU-Kommissar Tonio Borg überreicht.

ARCHE NOAH erinnert heute Bundesminister Andrä Rupprechter an sein Bekenntnis zur Vielfalt und fordert: „Setzen Sie sich jetzt für die Vielfalt ein, Herr Minister!“

 
 
Freiheit für die Vielfalt

Saatgut-Vielfalt auf der Zielgeraden

19.05.2017:  Bereits Ende Mai wird voraussichtlich in Brüssel über die neue EU-Bio-Verordnung entschieden. Erfreulicherweise hat sich das EU Parlament dafür stark gemacht, zwei neue Kategorien für Saatgut einzuführen und damit eine wichtige Öffnung für die Saatgut-Vielfalt zu schaffen. Die neuen Kategorien würden einen wichtigen Etappensieg für den Fortbestand genetischer Pflanzenressourcen darstellen.

ARCHE NOAH und GLOBAL 2000 warnen allerdings vor voreiliger Freude. In einer gemeinsamen Pressemitteilung erklären sie, dass die EU-Kommission durch juristische Detailformulierungen die Öffnung Richtung Vielfalt noch in letzter Minute zunichtemachen kann. ARCHE NOAH und GLOBAL 2000 appellieren daher an Minister Andrä Rupprechter, eine mögliche Verwässerung durch die Kommission nicht zuzulassen und sich eindeutig für die Vielfalt stark zu machen.

 
 

Hier finden Sie mehr Informationen zur Bio-Verordnung

Warum ist die Vielfalt an Nutzpflanzen bedroht?

 
 

Das restriktive EU-Saatgutrecht beschränkt seit Jahrzehnten die Vielfalt von Gemüse, Getreide und Obst in Europa. Nur standardisierte, einheitliche Pflanzen, die für die industrielle Landwirtschaft geeignet sind, werden für den Markt zugelassen. Saatgut von alten und seltenen Pflanzen, die die Standards wegen ihrer innenwohnenden genetischen Vielfalt nicht einhalten können, darf nur in „Nischen“ und unter bürokratischen Auflagen verkauft werden, oder ist ganz verboten. Laut der Welternährungsorganisation FAO sind so allein im 20. Jahrhundert 75% der Kulturpflanzenvielfalt verloren gegangen und der Verlust dauert bis heute an. 

 
 

Welche Verbesserungen würde die Verordnung bringen?

 
 

Wenn die Vorschläge des Europäischen Parlaments angenommen werden, wird die Bio-Verordnung innovative Erneuerungen für die Vielfalt bringen. Konkret würden neue, zusätzliche Saatgut-Kategorien geschaffen werden. Diese geplanten Saatgut-Kategorien würden „biologisches Heterogenes Material“ und „Biologisch gezüchtete Sorten“ heißen und für alle Arten gelten. Die neuen Kategorien würden ermöglichen, dass sich Saatgut an seine Umwelt- und Klimabedingungen flexibel anpassen könnte. Das ist derzeit für die gängigen Gemüse- und Getreidearten nicht möglich.

 
 

Welche Vorteile bringt Vielfalt im Klimawandel?

 
 

Die neuen Saatgut-Kategorien würden den Grundstein dafür legen, dass in Europa Pflanzen entwickelt und angebaut werden, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen. Durch den Klimawandel sind die Pflanzen innerhalb einer Vegetationsperiode zunehmend extremeren Wetterbedingungen ausgesetzt, wodurch auch ein neuer Schädlings- und Krankheitsdruck entsteht. Die Vielfalt liefert eine systemische Antwort auf diese Herausforderungen: Pflanzen dürfen sich über Generationen hinweg „im Dialog“ mit ihrer Umwelt entwickeln, und so mit den lokalen Umwelt- und Klimaherausforderungen wachsen. Gerade im Bio-Sektor ist das wichtig, denn dieser verzichtet auf synthetische Dünger und Spritzmittel.

 
 

Wie helfen die neuen Saatgut-Kategorien der Biodiversität?

 
 

Die Vielfalt von Pflanzen ist heute durch restriktive Gesetze weitgehend von der breiteren Nutzung ausgeschlossen. Deswegen gehen immer mehr natürliche, wertvolle Eigenschaften verloren. In öffentlichen „Genbanken“ werden Samenmuster der bedrohten Pflanzen im Eis eingefroren und gelagert. Doch Vielfalt kann breitflächig nur dann bestehen bleiben, wenn sie auch breitflächig angebaut wird. Nur was gegessen wird, bleibt auch erhalten. Die neuen Saatgut-Kategorien würden den Verkauf von Vielfalts-Saatgut für den Bio-Sektor legalisieren und so durch Anbau, Nutzung und Konsum die Biodiversität befördern.

 
 

Wie würden Bio-Bäuer*innen von Vielfalt profitieren?

 
 

Bio-Bäuer*innen hätten mehr Möglichkeiten, Vergleiche zwischen standardisierten Samen einerseits, und flexiblem Vielfalts-Saatgut andererseits zu machen. Sie könnten am Ende jene Pflanzen anbauen, die am besten zu ihrem Standort passen und von ihren Kund*innen geschätzt werden. Die Entwicklung von Hofsorten und deren regionale Nutzung würde wieder legal werden.

 
 

Wem schaden die neuen Vielfalts-Kategorien für Saatgut?

 
 

Die internationale Saatgutindustrie versucht, durch massives Lobbying die neuen, zusätzlichen Saatgut-Kategorien zu verhindern. Denn die Industrie hat sich auf Sorten spezialisiert, die einheitlich und standardisiert sind – das ermöglicht, geistige Eigentumsrechte wie Sortenschutz oder Patente durchzusetzen, und die Nutzung durch Bäuer*innen einzuschränken bzw. jährliche Gebühren zu verlangen. Viele Gemüse-Pflanzen sind  Hybride – also „Einmalsamen“, die jedes Jahr neu gekauft werden müssen. So hat es die Industrie geschafft, in vielen Saatgutsektoren den Markt zu monopolisieren. Weltweit beherrschen nur acht Konzerne 75% des Saatgutmarktes.

Die neuen Vielfalts-Kategorien für Saatgut könnten – langfristig – die Macht der Konzerne zumindest im Bio-Sektor verringern, denn die sind nicht sortenschutzfähig und keine Hybride. Es würden wieder neue, lokale Züchtungsunternehmen entstehen, die eine Alternative zu den Giganten bieten.

 
 
 

Was wurde aus der EU-Saatgutverordnung?

 
 

Das restriktive EU-Saatgutrecht beschränkt die Vielfalt von Gemüse, Getreide und Obst in Europa. Nur standardisierte, einheitliche Pflanzen sind für den breiten Markt zugelassen. 2013 wollte die EU-Kommission mit der EU-Saatgutverordnung die Vielfalt sogar noch weiter einschränken. Doch das EU-Parlament hat den Vorschlag zurückgewiesen und die EU-Kommission hat ihn im Frühling 2015 zurückgezogen. So konnten die ärgsten Verschlimmerungen verhindert werden.

Doch auch das jetzige Saatgutrecht diskriminiert die Vielfalt massiv. Es herrscht dringender Reformbedarf. So setzt sich das EU-Parlament seit 2015 dafür ein, zumindest im Bio-Sektor dank der neuen Saatgut-Kategorien in der aktuell verhandelten EU-Bio-Verordnung mehr Vielfalt zuzulassen.