Zwetschken Vielfalt auftafeln

Aktuelles

 

Was tut sich aktuell auf EU-Ebene?

 
 
European Union  2013 – Source EP

2016 erklärte die EU-Kommission in einer Stellungnahme Pflanzen und Tiere sowie konventionelle Züchtungsmethoden (wie z.B. Kreuzung) für nicht patentierbar. ARCHE NOAH feierte dies als Erfolg, da dieser Stellungnahme der intensive Einsatz des Bündnisses „No patents on seeds!“  - dem neben ARCHE NOAH viele weitere europäische NGOs angehören - vorausgingen.  Die klare Position der Kommission war ein eindeutiger Etappensieg auf dem Weg, Patenten auf Pflanzen und Tieren endlich einen Riegel vorzuschieben.

Die EU-Kommission verlangte zudem von der Europäischen Patentorganisation (EPOrg), ihre Ausführungsverordnung entsprechend zu ändern, damit das Patentverbot in Zukunft auch in der Rechtspraxis umgesetzt wird. Einen direkten Einfluss hatte diese Klarstellung jedoch leider nicht auf die EPOrg, da sie unabhängig ist und dem EU-Recht nicht direkt unterliegt.

Am 28. und 29 Juni 2017 traf sich der Verwaltungsrat des EPOrg, um die Patentvergabe neu zu regeln und über Änderungen der Ausführungsverordnung zu entscheiden. Das Europäische Patentamt (EPA), welches ein Teil des EPOrg darstellt, arbeitete dafür einen neuen Vorschlag aus, welcher jedoch die entscheidenden Schlupflöcher weiterhin enthält und die Patentierung von Leben nicht verhindert. In der Zeit vor den Verhandlungen setzte sich ARCHE NOAH intensiv dafür ein, diese Schwachstellen aufzuzeigen und politischen Vertreter*innen verständlich zu machen, warum der mangelhafte Vorschlag des EPA abzulehnen sei. 

Dass unsere Arbeit Früchte trug, zeigte das Ergebnis der Verhandlungen: Österreich lehnte den Vorschlag als einziger der 38 Mitgliedsstaaten ab. Da jedoch diese Gegenstimme den Beschluss der neuen Auslegungsverordnung nicht verhindern konnte, hat das EPA nun grünes Licht, um weiterhin Patente auf Pflanzen und Tiere zu verteilen.
Österreich sendete jedoch ein eindeutiges Signal und zeigte Courage, indem es die Interessen der Zivilgesellschaft vertrat und sich gegen die Privatisierung unserer Natur aussprach, von der lediglich Industrie und EPOrg verdienen. ARCHE NOAH sieht sich dadurch in seiner Arbeit bestärkt und begrüßt den Willen auf nationaler Ebene, der EPA die Stirn zu bieten und Patente auf Leben nicht zu begrüßen.

 
 

Wie ist die momentane Situation in Österreich?

 
 

Auf nationaler Ebene konnten wir uns bereits 2016 über einen großen Erfolg freuen: Durch eine Änderung im österreichischen Patentgesetz wurde nämlich erstmal festgelegt, dass Pflanzen und Tiere nicht patentierbar sind. Dies war ein erster, wichtiger Schritt! Um jedoch nun die weiter bestehenden Schlupflöcher in der Ausführungsverordnung des EPA zu versperren, muss das Gesetzt nun noch mehr ins Detail gehen. Nur dann ist eine bindende Rechtswirkung gewährleistet. Zudem liegt in einem strengeren Patentgesetz die Chance für Österreich, als Vorreiter in Europa ein wirksames nationales Patentgesetz im Einklang mit dem EU-Patentrecht zu entwickeln.

Die Chance, präzisere und wirkungsvolle Definitionen in der Patentverordnung durchzusetzen, hat die EPOrg Ende Juni 2017 bedauerlicherweise nicht genützt. Anstatt eine wirkungsvolle Gesetzesnovelle auszuarbeiten, hat sie vielmehr dafür gesorgt, dass Patentrechtsmissbrauch auch in Zukunft möglich sein wird. Unser Einsatz ist daher nicht nur auf nationaler, sondern auch internationaler Ebene weiterhin gefordert, um die intransparenten, undemokratischen und eigennützigen Strukturen des Europäischen Patentamtes aufzubrechen. In Österreich müssen Züchter*innen und Bäuer*innen mittels nationalen Regulierungen rechtlich vor den von der EPA erteilten Patenten auf Pflanzen und Tiere geschützt werden. 

 
 

Aktuelle Meldungen zu Patenten auf Pflanzen

EPA-Einspruch

Patente auf Pflanzen: Nur Österreich stellt sich gegen fehlerhafte Patentverordnung

29.06.2017: Bei den heutigen Verhandlungen in der Europäischen Patentorganisation wurde ein Vorschlag beschlossen, laut dem die Patentierung von Pflanzen und Tieren weiterhin möglich bleibt. In Anbetracht dieses bitteren Verhandlungsergebnisses ist es dennoch erfreulich, dass Österreich als einziger Staat gegen den Vorschlag gestimmt hat. Technologieminister Leichtfried, der sich über die mit dem Beschluss einhergehende negative Bedeutung für die Kulturpflanzenvielfalt und Bevölkerung bewusst ist, hat mit seiner Gegenstimme ein klares politisches Signal an das Europäische Patentamt gesandt. Er verdeutlichte, dass Österreich die Erteilung von Eigentumsrechten auf herkömmliche Pflanzen und Tiere kritisiert und strikt ablehnt.
Voraussichtlich wird das EPA mit den rechtswidrigen Patentvergaben nicht lange warten, da bereits 320 derartige Patente von Konzernen angemeldet wurden, für deren baldige Genehmigung nun grünes Licht gegeben wurde. ARCHE NOAH ist jedoch insofern positiv gestimmt, als dass auf politischer Ebene ernsthafte Bemühungen und der Wille gezeigt wird, dem EPA die Stirn zu bieten und sich nicht der kollektiven Zustimmung zur Privatisierung unserer Natur anzuschließen. ARCHE NOAH wird sich dafür einsetzten, dass nationale Patentrechte verschärft werden, um hiesige Landwirt*innen und Konsument*innen zu schützen. Einsatz gilt es aber auch weiterhin auf internationaler Ebene zu zeigen, um die intransparenten, undemokratischen und eigennützigen Strukturen des Europäischen Patentamtes aufzubrechen.

Hier geht es zur Presseaussendung

 
 
Patenteinspruch (c) Arche Noah / Schiltern

Bevorstehende Entscheidung: EPA hält an Schlupflöcher für Patente auf Pflanzen und Tiere fest – Klare Gegenposition von Österreich gefordert

27.06.2017: Morgen und übermorgen beschließt das europäische Patentamt (EPA), wie es das Patentrecht bei Pflanzen und Tieren zukünftig auslegen wird. In der Vergangenheit erntete das EPA vehemente Kritik für Patentvergaben, die das geltende Patentverbot auf Leben verletzen. Der im Vorfeld präsentierte Vorschlag zeigt allerdings, dass das unabhängige Amt von Kritik seitens EU-Kommission und europäischer Bevölkerung unbeeindruckt ist.
Sollte der Vorschlag des EPA – bei dessen Gestaltung die Wünsche der Industrie beachtet wurden – unverändert angenommen werden, wird es Konzernen sogar vereinfacht anstatt erschwert, Patente auf Pflanzen und Tiere zu erhalten, denn das Amt sieht beispielsweise vor, die Patentierung von einzelnen Pflanzen- und Tierzellen explizit zu erlauben. Da die Interessen der europäischen Bevölkerung bislang ignoriert wurden, appelliert ARCHE NOAH und das Bündnis „No Patents On Seeds!“ an alle patentkritischen Länder im Verwaltungsrat, eine klare Position zu beziehen und den Vorschlag zur Auslegung des Patentverbotes abzulehnen. In Österreich liegt diese Verantwortung in den kommenden zwei Tagen bei Technologieminister Jörg Leichtfried.

Hier geht es zur Presseaussendung

 
 
(c) Falk Heller

Verwaltungsratssitzung: Entscheidung über Patente auf Leben!

15.06.2017: Am 28. und 29. Juni tagt der Verwaltungsrat der Europäischen Patentorganisation in Den Haag. Die Vertreter*innen der 38 Vertragsstaaten, darunter Österreich, werden eine Entscheidung über die Zukunft der Patentierung von Pflanzen und Tieren treffen. Diese Entscheidung wird weitreichende Folgen für unsere Landwirtschaft und unsere Lebensmittel haben:

Kommt es zu einer Privatisierung unserer natürlichen Ressourcen und Lebensmittelgrundlagen oder verhindert die Politik dieses Albtraum-Szenario?

Nach einer Austauschrunde mit Stakeholdern Ende Mai fehlt immer noch ein klares Bekenntnis des zuständigen Technologieministers Jörg Leichtfried, ob Österreich nun in der Tat konkrete Vorschläge für ein wirksames Verbot in die Debatte einbringen wird.

Wir haben nur noch wenige Tage und Österreich darf nicht mehr zögern. Wenn die Politik diese Praxis nicht stoppt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle wirtschaftlich interessanten Eigenschaften unserer Pflanzen und Tieren in privaten Händen liegen. Die Patentinhaber (z.B. Bayer, Monsanto, Heineken & Carlsberg) werden bestimmen können, welche Pflanzen wir anbauen und konsumieren dürfen und zu welchem Preis.

Hier geht es zur Presseaussendung...

 
 
Patentamt München 2

Europäisches Patentamt plant keinen Patente-Stopp auf Pflanzen und Tiere

08.06.2017: Nachdem das Europäische Patentamt (EPA) für seine Rechtspraxis von EU-Institutionen kritisiert wurde, präsentierte es einen neuen Vorschlag, an den es sich zukünftig bei Entscheidungen über Patentvergaben halten will. Darin wurden allerdings nicht alle Schlupflöcher geschlossen, die von den Konzernen für Patentanmeldungen auf konventionelle Züchtungen genutzt werden. In seinem Vorschlag beschränkt das EPA Patentverbote nämlich auf Pflanzen oder Tiere, die „ausschließlich durch ein im Wesentlichen biologisches Verfahren“ gewonnen wurden. Hierbei steckt der Teufel im Detail, denn unter „im Wesentlichen biologische Verfahren“ versteht das EPA lediglich eine Kombination aus Kreuzung und Selektion. Andere konventionelle Züchtungsverfahren wie etwa Mutagenese werden „vergessen“. Sobald Firmen daher beispielsweise zufällige Mutation in die Beschreibung ihrer züchterischen Tätigkeit aufnehmen – wie bei den Bier-Patenten –, bewegen sie sich außerhalb der engen Definition „ausschließlich Kreuzung und Selektion“. Darüber hinaus verhindert der Vorschlag nicht, dass sich einzelne Patente auf alle herkömmlichen Pflanzen erstrecken, welche die patentierte Eigenschaft aufweisen: Indem das EPA die Patentierung von Eigenschaften erlaubt, fallen Konzernen die Rechte auf (bislang nicht registrierte) (Wild-)pflanzensorten zu, welche die beschriebenen Eigenschaften aufweisen.

Über den neuen Vorschlag will das EPA bereits Ende Juni entscheiden. Wird er angenommen, müssen Konzerne in ihren Patentanträgen weiterhin nur gezielte Formulierungen verwenden, um das geltende EU-Patentverbot von konventionellen Züchtungen zu umgehen. „No Patents On Seeds!“ setzt sich daher vehement für eine Nachschärfung des Vorschlags ein. 

 
 
Patenteinspruch (c) Heller / Argum

Patenteinspruch in München

07.06.2017:  Als Teil des Bündnisses „No Patents On Seeds!“ reichte ARCHE NOAH heute Einspruch gegen die Erteilung des dritten Bier-Patents an Carlsberg und Heineken beim Europäischen Patentamt (EPA) in der bayrischen Hauptstadt ein. Zur Übergabe fuhren die Vertreter*innen mit Kutsche und sechs Brauereipferden vor dem EPA vor. Mit im Gepäck ein Fass Öko-Bier, zu dem sich auch der Pressesprecher des EPA einladen ließ. Dann ging man mit einer kleinen Delegation in das Gebäude, um den Einspruch zu überreichen.
Bereits im Jänner hatte das Bündnis Einspruch gegen zwei Patente eingereicht, die den Braukonzernen die Rechte auf spezielle Eigenschaften bei Braugerste sichern. Das dritte Bier-Patent bezieht sich nun auf eine Kreuzung der bereits patentierten Züchtungen und zeigt eine weitere Problematik auf: wird einem Konzern einmal ein Patent erteilt, hat er automatisch das Recht auf alles, was in weiterer Folge damit geschieht.
Das dritte Bier-Patent gilt somit als Musterbeispiel, das veranschaulicht, wie schnell und weit sich die Privatisierung genetischer Ressourcen durch Konzerne ausbreitet, wenn Patente einmal vergeben sind. Das EPA wurde bereits von vielen Seiten für seine Rechtspraxis kritisiert und aufgefordert, die Patentverordnung so zu erneuern, dass seine Praxis mit dem geltenden EU-Patentverbot auf Pflanzen und Tiere konformgeht. Allerdings nahm das Amt auch bei seinem neuen Vorschlag die dafür notwendigen Wortlautänderungen nicht vor. „No Patents On Seeds!“ befürchtet daher, dass das Patentamt der Privatisierung unserer Natur keinen Einhalt gebieten wird, sondern die Schlupflöcher für Konzerne weiter offenlässt. 

 
 
(c) D. Steinböck

NPOS: Kritik an unzureichendem Vorschlag des EPA

29.05.2017: Die Initiative „No Patents On Seeds“ hat heute einen Brief an die Europäische Patentorganisation (EPOrg) gesandt um zu erklären, wieso der Vorschlag des Europäischen Patentamts (EPA) zur Patentierbarkeit von Pflanzen nicht weit genug greift und zukünftige Patentvergaben auf konventionelle Züchtungen nicht verhindern würde. Die EPOrg wird bereits Ende Juni über diesen unzureichenden Vorschlag entscheiden.
Die 2016 vergebenen Patente auf konventionell erzeugte Braugerste von Carlsberg und Heineken zeigen beispielhaft auf, wie Schlupflöcher im Patenttext ausgenutzt werden. Der neue Vorschlag des EPA schließt diese Hintertüren nicht.
Obwohl in Europa eigentlich nur die Patentierung von GVOs erlaubt ist, ermöglichen zu vage Definitionen des EPA - besonders des Begriffs „im wesentlichen biologische Verfahren“ -  etwa die Patentierung von zufälligen Mutationen, von Pflanzenteilen sowie -eigenschaften konventioneller Züchtungen oder von Produkt(-prozessen). Firmen wie Carlsberg und Heineken könnten sich somit auch in Zukunft die Rechte auf Pflanzeneigenschaften aus konventioneller Züchtung sichern und dadurch Anspruch auf alle Pflanzen erhalten, die diese Eigenschaften aufweisen, sowie auf alle folgenden Herstellungsprozesse und daraus erzeugten Produkte.  Fazit: Es bedarf eines viel klareren Rechtstextes als dem Vorschlag des EPA, um die fortschreitende Aushöhlung des Patentverbotes auf Pflanzen und Tiere durch Großkonzerne effektiv zu stoppen.

Lesen Sie hier die Presseaussendung 

 
 
Patentamt München

Patentrechtsausschuss: Verhandlung hinter verschlossenen Türen!

27.04.2017: Heute trifft sich der Patentrechtsausschuss des Europäischen Patentamtes (EPA) in München. Die Öffentlichkeit ist von dem Ausschusstreffen ausgeschlossen, während Lobbyisten von Patentanwälten und Industrie freier Zugang gewährt wird.

Es wird darüber beraten, wie mit Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere in Zukunft umgegangen werden soll, nachdem die EU-Kommission im November 2016 sowie die EU-Mitgliedstaaten im Februar 2017 in Stellungnahmen erklärt haben, dass Patente nur auf gentechnische Veränderungen erteilt werden dürfen.

Der vorliegende Vorschlag des EPA sieht lediglich geringe Änderungen der Rechtspraxis vor. Dies würde weiterhin Schlupflöcher für die Patentierung auf Leben offenlassen und lässt in weiterer Folge eine Patentflut der Industrie befürchten. Die langfristige Konsequenz wäre das Ende der Verbreitung und Weiterentwicklung von Saatgut!

ARCHE NOAH Österreich fordert die Regierung auf, heute – Donnerstag, 27. April – im Ausschuss den EPA-Vorschlag eindeutig und vehement abzulehnen und sich aktiv für ein umfangreiches, effektives Verbot einzusetzen.

Hier geht es zur Presseaussendung

 
 
Mais

20 Jahre Gentechnik-Volksbegehren

24.04.2017: Am 6. April feierte Österreich das 20jährige Jubiläum des Gentechnik-Volksbegehrens. Es war das zweiterfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte der Zweiten Republik: 1997 haben 1,2 Millionen Österreicher*innen drei Forderungen unterschrieben: (1) Kein Essen aus dem Genlabor in Österreich; (2) Keine Freisetzungen genmanipulierter Organismen in Österreich; und (3) Kein Patent auf Leben.

Dank des damaligen starken Auftritts der Zivilgesellschaft bleiben bis heute die Anbauflächen in Österreich GVO-frei. Leider werden Patente auf Leben aber immer noch (und mit einer höheren Frequenz) durch das Europäische Patentamt erteilt – mehr zu unserer aktuellen Kampagne gegen diese Praxis hier. Aber auch ein gentechnikfreies Österreich ist heute mehr unter Druck als in den letzten zwei Jahrzehnten. Denn die Saatgutindustrie macht sich für eine Deregulierung der nächsten Generation der Gentechnik, der sogenannten „neuen Züchtungsmethoden“, in der EU stark. Das würde heißen: keine Risikobewertung, keine Überwachung und keine Kennzeichnung! ARCHE NOAH und 15 andere Organisationen haben eine Stellungnahme geschrieben, die für eine vollständige Regulierung der neuen Methoden plädiert.

 
 
European Union  2013 – Source EP

Patente: Wichtige politische Weichenstellungen im April

22.04.2017: Der nächste politische Meilenstein in Sachen "Patente auf Pflanzen" steht bereits am 27. und 28. April bevor. Die Vertreter und Vertreterinnen der 38 Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation, darunter das Österreichische Patentamt, verhandeln hinter geschlossenen Türen im Ausschuss Patentrecht über die Zukunft der Patentierung von herkömmlichen Pflanzen und Tieren. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen.

ARCHE NOAH und zahlreiche NGOs in der europaweiten Koalition „No Patents on Seeds!“ mobilisieren aktuell gegen die widerrechtliche Patenterteilung durch das Europäische Patentamt und fordern von der Politik und den Europäische Patentorganisation, die rechtlichen Schlupflöcher im Patentrecht endlich zu schließen.

aktuelle Meldungen:

http://science.orf.at/stories/2836748

Ö1 Morgenjournal 22.4.17:

http://oe1.orf.at/player/20170422/468390
http://oe1.orf.at/player/20170422/468395

 
 
ARCHE NOAH / Schiltern

170 Patentvergaben im Jahr 2016: EPA erteilt weiterhin Patente auf Leben!

06.04.2017: Die Initiative „Keine Patente auf Saatgut!“ hat die jüngsten Patenterteilungen auf Pflanzen genauer unter die Lupe genommen. Insgesamt hat das Europäische Patentamt (EPA) im vergangenen Jahr rund 170 Patente auf Pflanzen erteilt. Die Zahl der europäischen Patente auf Nutzpflanzen stieg damit auf rund 3000. Ein wachsender Anteil davon betrifft auch die konventionelle Züchtung. Obwohl das Patentamt Ende 2016 offiziell einen Stopp der Patentierung konventioneller Züchtung verkündet hatte, wurden auch letztes Jahr rund 40 Patente in diesem Bereich erteilt. Dreist: Oft werden einfach die Patentanträge umformuliert, um bessere Chancen zu haben, erteilt zu werden. Insgesamt hat das EPA bereits rund 200 Patente auf konventionelle Züchtung erteilt.

Noch heuer wird über die weitere Ausführungsordnung des Patentsamts im Verwaltungsrat der Europäischen Patentorganisation entschieden. ARCHE NOAH kämpft für die Vielfalt! - Die Patentierung von Leben muss ein Ende haben! Zur Pressemitteilung
Zum vollständigen NPOS-Bericht "Patent applications on plants derived from conventional breeding 2016"

 
 

Aufruf zur Fotoaktion: “Ein Prost auf die Vielfalt!”

23.03.2017: Der Einsatz der ARCHE NOAH und unserer Unterstützer*innen gegen die Carlsberg & Heineken zugesprochenen Patente auf Braugerste soll nun ein klares Gesicht bekommen. Wir wollen ein großes Bild entwerfen, um das gemeinsame Engagement auf den Punkt zu bringen. Deshalb rufen wir zu einer Fotoaktion auf - und das Politikteam macht den Anfang.
Jedes Foto wird zum Puzzlestein für unser großes Vielfalt-statt-Patente-Bild, mit dem wir politischen Entscheidungsträger*innen sowie den Braukonzernen Carlsberg und Heineken klar zeigen, wie sehr wir die Vielfalt schätzen – und die Patentierung von Pflanzen und Tieren ablehnen.
Die Fotoaktion läuft bis 26.April. Wie Sie mitmachen können, erfahren Sie hier.

 
 
European Union  2013 – Source EP

Klare Entscheidung: EU gegen Patente auf Leben

20.2.2017: Tag der Entscheidung im Wettbewerbsfähigkeitsrat der EU: In einem gemeinsamen Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten wurden Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht für nicht patentierbar erklärt – ein richtungsweisender Erfolg im Einsatz gegen Patente auf Leben!
Der Rat unterstützt damit die Position des EU-Parlamentes und der EU-Kommission. In der Mitteilung fordert der Rat die Mitgliedsstaaten dazu auf diese offizielle Richtlinie auch innerhalb der Europäischen Patentorganisation (EPOrg) zu vertreten. Die EU macht also offiziell, was wir schon lange sagen: Die Patenterteilungspraxis des Europäischen Patentamts (EPA) muss dringend geändert werden! Nun gilt es diese Entscheidung auf EU-Ebene auch in die Ausführungsordnung des Patentamts aufzunehmen, welche im Verwaltungsrat der EPOrg ausgearbeitet wird. Noch heuer werden hier richtungsweisende Entscheidungen erwartet. Zur Pressemitteilung

 
 

Einspruch gegen Bierpatente

20.01.2017: Die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken wollen sich durch drei Patente das gemeinsame Recht auf bestimmte Gerstezüchtungen sichern - und damit auf deren Zwischen- und Endprodukte, so auch den Brauprozess und das gebraute Bier selbst. Die durch zufällige Mutationen im Erbgut erhaltene Gerste soll sich besonders gut für das Bierbrauen eignen.

Nun wurde von mehreren NGOs Einspruch gegen zwei dieser Patente eingereicht! Die gemeinsame Forderung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Slow Food (Deutschland), der ARCHE NOAH und weiterer Organisationen hat die Widerrufung der Patente EP2384110 und EP2373154 zum Ziel. Auch gegen das dritte an Carlsberg und Heineken erteilte Patent ist ein Einspruch geplant. Denn: Derartige Patente gefährden die Zukunft von Landwirten und anderen Brauereien. Zudem widersprechen sie der Erklärung der EU-Kommission, dass Tiere und Pflanzen aus konventioneller Züchtung nicht patentierbar sind. Zur Pressemitteilung

 
 
Bier

Kein Patent auf Bier!

17. 11. 2016: Das Europäische Patentamt (EPA) hat 2016 drei Patente an die dänische Firma Carlsberg vergeben, die sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und ihre Verwendung durch Brauereien sowie das so produzierte Bier erstrecken. In einem gemeinsamen Brief fordern nun mehrere Nichtregierungsorganisationen, dass Carlsberg die Patente zurückzieht. Sie werfen dem Unternehmen vor, das Patentrecht zu missbrauchen und entgegen den Interessen der VerbraucherInnen zu handeln. Zur Pressemitteilung

 
 
European Union  2013 – Source EP

EU-Kommission: Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung nicht patentierbar

8.11.2016: In einer lang erwarteten Stellungnahme erklärt die EU-Kommission, dass sie Pflanzen und Tiere aus „im Wesentlichen biologischen Verfahren“ zur Züchtung für nicht patentierbar hält. Diese Aussage steht in starkem Gegensatz zu der bisherigen Praxis des Europäischen Patentamts (EPA), das bereits über 100 Patente erteilt hat, welche die konventionelle Züchtung betreffen, darunter sogar Patente auf Tomaten und Brokkoli.

Die internationale Koalition „Keine Patente auf Saatgut!“ fordert seit Jahren, dass diese Patente gestoppt werden, und hat zusammen mit Hunderttausenden UnterstützerInnen Petitionen und Einsprüche eingereicht. Zur Pressemitteilung

Mehr Informationen

 
 
(c) D. Steinböck
 

Medienberichte

Lesen Sie hier ältere Medienberichte zu Patenten auf Pflanzen nach! Alle Infos