Geschichte

Noch viel zu tun...

Weltweit wurden seit Jahrzehnten lokale Gemeinschaften durch Biopiraterie entrechtet und geschädigt, der Zugang zu den eigenen Ressourcen durch geistige Eigentumsrechte versperrt, eine Beteiligung am erzielten Profit fand jedoch nicht statt. Das soll mit dem Nagoya Protokoll nun anders werden..

Geschichte

Das „Nagoya-Protokoll“ ist ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen, das am 29. Oktober 2010 in Nagoya, Japan, verabschiedet wurde und am 12. Oktober 2014 in Kraft trat[1]. Seine Wurzeln liegen im Übereinkommen über die Biologische Vielfalt aus dem Jahr 1992, das die Biodiversität durch den Schutz der Ökosysteme bewahren soll und in dem der „nationalen Souveränität“ über genetische Ressourcen Vorrang vor dem Konzept des „gemeinsamen Erbes der Menschheit“ eingeräumt wird. Das Protokoll beruht auf dem Prinzip der Ausgewogenheit und zielt darauf ab, historische und politische Ungleichgewichte in der Nutzung von genetischen Ressourcen für die Forschung und Produktentwicklung auszugleichen.

Der Zugang zu genetischen Ressourcen erfordert die „auf Kenntnis der Sachlage gegründete vorherige Zustimmung“ der „Partei, die genetische Ressourcen zur Verfügung stellt, d.h. des Ursprungslandes der Ressourcen, oder einer Partei, die die genetischen Ressourcen in Übereinstimmung mit dem Übereinkommen erworben hat“. Entsprechend dem marktwirtschaftlichen Ansatz des Protokolls wird die Aufteilung der Vorteile durch die Vertragsbedingungen geregelt, die vom Bereitsteller der genetischen Ressourcen und dem Nutzer der Ressourcen einvernehmlich festgelegt werden. Allerdings müssen heute die Nutzer genetischer Ressourcen von landwirtschaftlichen Pflanzen die Verbindung zwischen dem Saatgutvertrag der FAO und dem Nagoya-Protokoll verstehen, was keine leichte Aufgabe ist. Die Europäische Union ist Partei beider Verträge, wobei das Nagoya-Protokoll durch die Verordnung Nr. 511/2014 umgesetzt wurde. Der Zugang zu genetischen Ressourcen fällt jedoch in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Mitgliedsstaaten und wird daher weiterhin auf nationaler Ebene geregelt. Das bedeutet, dass es zwischen den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten große Unterschiede in der tatsächlichen Umsetzung des Protokolls geben wird. Damit ist natürlich die klare Definition der Rechte, die den Zugang und die Nutzung genetischer Ressourcen begleiten, zu einer mühsamen Aufgabe geworden.   

Als Nicht-Regierungsorganisation zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt bleibt die ARCHE NOAH der nachhaltigen, aber auch gerechten Nutzung von pflanzengenetischen Ressourcen tief verpflichtet. Deshalb haben wir eine fundierte und ambitionierte Strategie sowohl zur Kommunikation als auch zur Einhaltung der neuen Rechte und Verpflichtungen erarbeitet, die sich aus dem Nagoya-Protokoll und seiner Umsetzung auf EU-Ebene ergeben und die heute die kulturpflanzengenetischen Ressourcen, mit denen wir umgehen, begleiten. 

 


[1] Das Protokoll von Nagoya über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt trat 90 Tage nach der Hinterlegung der 50. Ratifikationsurkunde, also am 12. Oktober 2014 (Artikel 33), in Kraft.