Alte Obstsorten aus dem Wienerwald

Kartierung Wienerwald

Vergessener Obstreichtum

Der Wienerwald war einst eine obstreiche Gegend, heute sind viele Streuobstwiesen verwaldet. In einem Projekt sicherte ARCHE NOAH seltene und unbekannte Sorten aus dem Wienerwald.

Hintergrund des Projekts

Bis in die 50er Jahre zählte der Wienerwald zu den wichtigen Nahversorgungsgebiete der Großstadt Wien. Milchprodukte und auch Frischobst wurde direkt vor den Toren Wiens produziert. Diese Art der Landnutzung gab dem Wienerwald sein einzigartiges Gepräge: Ausgedehnte Wälder unterbrochen durch blühende Wiesen und Obstbäume.Diese Wiesen des Wienerwalds zählen zu den schönsten und artenreichsten Österreichs.


Die 60er Jahre und die zunehmende Internationalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft und des Warenverkehrs brachten eine Abkehr von der extensiven Landnutzung. Die Erzeugung von Frischobst und Milchprodukten wanderte in die Gunstlagen ab, wo die Produktion billiger und effizienter war, zumal längere Transportwege keine Rolle mehr spielte. Die Bedeutung der Landwirtschaft im Wienerwald ließ mehr und mehr nach. Wiesenflächen fielen brach. Die Folge: Es kommt der Wald.Zuerst sind es Büsche wie Rosen, Schlehen, Hartriegel die vom Rand her die Lichtungen erobern, Waldreben überwuchern die Obstbäume und zwingen sie in die Knie, dann übernehmen Eschen und Ahorn das Regiment und nach 20 bis 30 Jahren ist von den ehemaligen Wiesen (fast) nichts mehr zu erkennen. Nur die zugewucherten Obstbäume sind stumme Zeugen der blühenden Zeit.

Bedrängt von den Waldbäumen sterben die Obstbäume rascher ab, Lokalsorten verschwinden für immer.

 
 

Das Projekt

Ziel des Projektes war es, die Sortenstruktur der Obstbäume im Wienerwald zu untersuchen und selten und unbekannte Sorten zu sichern. Verschiedene Streuobstbestände wurden kartiert und Pläne der Bäume angefertigt. Über mehrere Jahre verteilt, wurden die Sorten bestimmt und besonders erhaltenswerte Sorten in die Sortensammlung aufgenommen. Bei einem Obstbaumtag konnte sich die Bevölkerung über den Sortenreichtum der Region informieren.

Nachfolgend eine Sammlung von Artikeln über die Ergebnisse des Projekts.

 
 

Von den „Duckhüttn“ zum Ausflugsgasthof

 
 

100jährige Sämlingsbäume geben den Pomologen Rätsel auf

Die große, weitläufige Obstwiese des Gasthofs Radlherr in Hainbuch bei Mauerbach gab uns zunächst einige Rätsel auf. Die ältesten Bäume auf dem Grundstück erwiesen sich fast durchwegs als unbestimmbar. Erst ein Gespräch mit dem Besitzer bringt es ans Licht: Bevor 1911 die Liegenschaft in den Besitz der Familie gelangte bestanden hier nur drei kleine sogenannte Duckhüttn - sprich niedrige Hütten von Holzfällern. Die Holzfäller hatten wohl auch kleine Gärten in denen sie Obst zogen. Allein die Armut war groß und so reichte das Geld nicht um veredelte Bäume zu erwerben. So züagelte (zog) man seine Bäume aus Samen selbst.

Und die Ergebnisse dieser ‚Anbauversuche’ finden wir 100 Jahre danach noch als monumentale Zeugen einer längst vergangenen und vergessenen Zeit. Als Tafelapfel weitgehend unbrauchbar erfüllen sie damals wie heute ihren Zweck als Lieferanten eines leicht alkoholischen und vor allem haltbaren Haustrunks, den man dereinst zur schweren Arbeit im Wald mitnahm und heute im Gasthof nach ausgedehnter Wanderung als Erfrischung zu sich nimmt, den Most.

Die große Obstwiese bildet eine Ausnahme unter all unseren untersuchten Gärten und Obstwiesen: Die ältesten Bäume am Grundstück haben sicherlich noch im 19ten Jahrhundert das Licht der Welt erblickt – für einen Apfel ein wahres Methusalemalter – und doch sind sie noch recht vital. Das Besondere aber ist die Altersstruktur des Bestands. Während die übrigen Bestände hauptsächlich aus der Zwischenkriegszeit oder kurz nach dem zweiten Weltkrieg stammen, finden wir hier aus allen Epochen des 20ten Jahrhunderts etwas. Aus den 1930er bis 50er Jahren Sorten wie Goldparmäne, Croncels, Harberts Renette und Pastorenbirne, in den 1960er und 70er Jahren, wo man andererorts das Obst eher als Hindernis und Mühsal betrachtete, pflanzte man Morgenduft, Roten Delicious und in neuerer Zeit dann Gloster, Jonathan, Jonagold und Golden Delicious.

Die Pflanzungen ab den 1960ern zeigen aber leider auch etwas anders: Fast niemand in der Beratung und in den Baumschulen beschäftigte sich mit so etwas wie Standorteignung oder Robustheit. Extensiver Obstbau existierte nicht in den Köpfen und daher verkaufte man alles was im Moment Marktfrucht war ohne Rücksicht auf Anfälligkeiten. Daher nimmt es uns nicht Wunder, wenn wir auf dem bald 100 jährigen alten Knecht Haslinger durchaus passable Äpfelchen pflücken, auf dem vom Schorf zur Gänze entlaubten 20 jährigen Hupfer Golden Delicious aber nichts Güldenes finden, sondern nur kleine, fast schwarze, vom Schorf zerfressene Früchte.

Schade, denn der Most ist im Gasthof heute wieder gefragt und Familie Radlherr war und ist über Generationen darum bemüht ihren obstlichen Schatz, der von weit hergekommen ist über das Meer von Zeit, zu behüten. Da hilft nur der Wahlspruch aus den 1930er bis 50er Jahren: ‚Umveredeln!’

 
 

Obstbestände in Klausen Leopoldsdorf

 
 

Der Haslinger, der Semmelapfel und der Großherzog Friedrich von Baden

Der Holzreichtum im Kerngebiet des Wienerwaldes veranlasste das Kaiserhaus im 17. Jahrhundert Holztriftanlagen (Klausen) in der heutigen Gemeinde Klausen Leopoldsdorf zu errichten. Gleichzeitig mit dem Bau der Klausen entstand die Siedlung Leopoldsdorf. Rund um die 14 Klausen entlang der Schwechat und seinen Zubringern entstanden Rodungsinseln, Wärterhäuser wurden errichtet und eine kleine Landwirtschaft samt Obstgarten zur Selbstversorgung angelegt. 1939 wurde die Holztrift eingestellt, die Wärterhäuser sind zum Teil heute noch bewohnt.

Die Obstgärten aus der Zeit der Besiedlung sind natürlich nicht mehr im Originalzustand vorhanden, allerdings ist anzunehmen, dass die ursprünglichen Sorten weiter veredelt wurden und im Ortsgebiet noch zu finden sind. Einige Mostbirnbäume mit einer Lebenserwartung von bis zu 300 Jahren, könnten noch aus dem 17. Jahrhundert stammen!

Neben Kernobst wurden Zwetschkenbäume in den Klausengärten gepflanzt. Mittlerweile haben sich die Zwetschken durch Wurzelbrut verselbstständigt und bilden dichte Gestrüppe rund um die verfallenen Klausenwärterhäuser. Im Laufe der Zeit kamen weitere Obstsorten in die Gemeinde, bewährte Sorten wurden von Bauern selbst veredelt und weitergegeben. Ein im Gebiet unter dem Synonym „Semmelapfel“ verbreitete Sorte konnte als Edelrambour aus Winnitza identifiziert werden. Die Sorte stammt aus der Ukraine und ist seit 1899 bekannt. Sie heißt auch Rambour Podolskii. In Niederösterreich ist sie in einigen Exemplaren im Waldviertel und eben auch im Wienerwald vorhanden.

Frau Hirschhofer bewohnt ein altes Klausenwärterhaus aus dem 17. Jahrhundert. Im großen Obstgarten stehen 60 bis 80jährige Apfel- und Birnenbäume. Die Lieblingssorte von Frau Hirschhofer ist der Jonathan, der mehrfach im Garten und im ganzen Ort zu finden ist. Eine besondere Rarität im Garten von Frau Hirschhofer ist der Großherzog Friedrich von Baden. Eine weitere Besonderheit des Obstgartens und charakteristisch für den Wienerwald ist ein sehr hoher, freistehender Baum einer Elsbeere (Adlitzbeerbaum). Das Holz der Elsbeere ist hart und ausgesprochen wertvoll, aus den Früchten kann ein gesuchter und teuer gehandelter Brand destilliert werden.

In Klausen Leopoldsdorf wie im ganzen Wienerwald verbreitet ist die Sorte Haslinger. Ältere Bewohner erinnern sich noch gut an zahlreiche große Haslinger, einige Exemplare stehen noch in den alten Obstgärten bei den Klausen. Der Haslinger stammt aus dem südwestlichen Ungarn und wird dort Pogasca alma genannt. Er ist außerdem im Burgenland, im Weinviertel, und in den Tälern der Voralpen anzutreffen. Im Burgenland ist er unter dem Namen Pogatschapfel bekannt, in Niederösterreich auch als Haselapfel. Der Baum wird sehr alt, wächst stark und bildet große, breitkugelige Kronen. Riesige Exemplare können bis zu 400 kg Früchte pro Jahr bringen, damit könnte der Jahresbedarf an Apfelsaft für eine Kleinfamilie gedeckt werden. Die Früchte sind zur Ernte im Oktober noch sehr hart, erst im Dezember genussreif und ausgesprochen gut lagerfähig (im guten Keller bis Mai).

 
 

Naheliegend und doch die Ausnahme

 
 

Vermarktung von Streuobstprodukten aus dem Wienerwald

Der Wienerwald ist durch seine Nähe zur Großstadt eine beliebtes Naherholungsgebiet. Eigentlich naheliegend, dass Obstbauern die Wiennähe zum Verkauf ihrer Produkte nutzen - doch nur wenige sehen die Millionenstadt als Markt und die vielen Ausflügler als potentielle Kunden. Große Mengen an Obst bleiben jedes Jahr ungenutzt.

Peter Krischke ist eine Ausnahme. Er bewirtschaftet mehrere Streuobstwiesen in der Gemeinde Laab, erntet in guten Jahren rund 10 Tonnen Obst und bietet die Früchte sowie Saft und Most in Wien am Biobauernmarkt auf der Freyung an. Seine am Markt angebotenen Äpfel und Birnen, durchwegs alte Sorten, finden reißenden Absatz - die Nachfrage übersteigt das Angebot. Ein besonderer Renner ist die Ananasrenette. Allerdings, der Arbeitsaufwand Früchte von Hochstammbäumen zu pflücken ist enorm und Peter Krischke - meist auf sich allein gestellt - kann das nicht leisten. So wandert köstliches Tafelobst wie Zabergäurenette in die Mostpresse.

Herr Wieshaider, ebenso Biobauer im Wienerwald, bewirtschaftet eine Streuobstwiese in Steinriegel und vermarktet erfolgreich Apfelsaft und Tafelobst ab Hof. Da sich der Verkauf floriert pflanzt er Obstbäume nach - allerdings keine Hochstämme sondern niedrige, schwächer wachsende Bäume um den Ernte- und Pflegeaufwand reduzieren. Zum Pressen bewährte Sorten auf seinem Hof sind Grahams Jubiläumsapfel, Chrysofsker und als besondere Rarität der Engelsberger (Taffetiner). Gut verkaufen lassen sich Croncels, Danziger Kantapfel und verschiedene Lederrenetten.

Dass alte Bäume einer bäuerlichen Streuobstwiese durchaus Gewinn bringen können, zeigt auch ein Besuch bei Familie Wutzl in Wolfpassing. Hier werden Most, Saft und Edelbrände direkt im hauseigenen Mostheurigen verkauft. Ausschließlich der Eigenbedarf wird noch gepflückt, der Verkauf von „handverlesenem“ Tafelobst aus den hohen Baumkronen ist heute nicht mehr wirtschaftlich. Die Verwertung als Saft oder Edelbrand sehr wohl. Nur eine der Spezialitäten der Familie Wutzl ist ihr Apfelwein, ausschließlich aus Tafeläpfeln hergestellt, mit etwas Restzucker für diejenigen denen der normale Most zu ‚scharf’ ist. Mostheurige sind beliebte Ausflugsziele im Wienerwald, heute schenken an die 10 Betriebe regelmäßig aus.

Die Beispiele zeigen: Obst aus dem Streuobstbau lässt sich durchaus rentabel vermarkten. Dennoch ist die Situation grotesk: es gibt Obst, es existiert ein naher Markt mit vielen Kunden aber das Angebot hinkt der Nachfrage hinterher. Neue Vertriebswege wie Selbstpflücke oder Vertriebsgemeinschaften könnten Lösungen hierfür sein.

Eine beliebe Sorte am Frischmarkt ist die Ananasrenette. Die zitronengelben Früchte mit den charakteristischen grünen Schalenpunkte sind ein richtiger Blickfang und der Apfel schmeckt auch hervorragend. Wichtig ist, dass die Früchte spät im Oktober gepflückt und bis November gelagert werden, erst dann entfaltet dieser Winterapfel sein volles Aroma. Der Apfel hat zudem gerade die richtige Größe zum Frischverzehr. Die Ananasrenette kann bis März gelagert werden, ohne mehlig zu werden. Der Wuchs ist schwach, die Bäume bleiben klein. Diese Eigenschaft ist in einem kleinen Garten durchaus erwünscht. Noch Anfang des 20ten Jahrhunderts wurden Ananasrenetten von Österreich nach Deutschland exportiert.

 
 

In Wolfsgraben, Altlengbach und Pressbaum

 
 

Die Sortensammler von “Nach der Arbeit”

Der Großteil der Obstgärten der 1930er bis 50er Jahre - vor allem die Gärten, von denen aus der Wiener Markt versorgt wurde - besteht aus einigen wenigen Sorten, die zu dieser Zeit eben gängige Marktsorten waren.

Hier, im Dunstkreis von Wien, finden wir aber auch das genaue Gegenteil. Der Garten von Frau Lehner in Wolfsgraben beispielsweise ist ein buntes Sortengewirr, fast jeder Baum ist eine andere Sorte. Allein 28 verschiedene Apfelsorten finden sich auf dem dicht an dicht bepflanzten Grundstück. Wie kam es dazu? Der Schwiegervater von Frau Lehner war in den 1930er Jahren Baumwart und offenbar eifriger Leser der Zeitschrift ‚Nach der Arbeit’ einer Gartenzeitschrift, die sich vor allem an die Schrebergärtner wandte und in Wien großen Zuspruch hatte. Dieser Zeitschrift waren farbige Abbildungen und Beschreibungen von Obstsorten beigelegt. Offenbar war Herr Lehner ein eifriger Leser, vielleicht auch Sammler dieser Einlageblätter und auch der dazugehörigen Bäume, jedenfalls finden sich im heutigen Garten eine ganze Reihe an Sorten, die ebendort beschrieben wurden und sonst kaum geläufig sind wie etwa ‚Baldwin’ oder ‚Cludius Herbstapfel’ oder die riesigen Zwetschkenfrüchte von ‚Großherzog’.

Der Garten des einstigen Sortensammlers schläft einen Dornröschenschlaf, die Früchte werden kaum genutzt Schafe halten die Verwaldung hintan. Doch auch heute gibt es sie noch die Sammler und Obstabenteurer wie Herrn Rakos von dem der entscheidende Hinweis zum Garten von Frau Lehner kam ‚Den müsst ihr euch unbedingt anschauen’. In seinem Garten fanden wir die lang gesuchte ‚Edelrenette’, ‚Wealthy’ und Herr Rakos pflanzt wieder neue Flächen mit seltenen Sorten nach.

Auch in den Obstgarten von Frau Huber kamen wir über Empfehlung. Ihr Hof liegt in einem kleinen Weiler am Berg über Altlengbach. Die Obstbäume in ihrem Garten stammen von ihrem Großvater, der bei den ‚reichen’ Städtern in den Gärten Edelreiser schnitt und zuhaus aufveredelte. So finden wir auch auf vielen Bäumen gleich mehrere Sorten. ‚Okabena’ konnten wir hier ebenso entdecken wie zwei prächtige voll behangene ‚Parkers Pepping’. Auch Frau Huber ist bestrebt die Sammlung ihres Großvaters zu erhalten und zu verjüngen.

Wo Frau Hubers Großvater Edelreiser geschnitten haben könnte? Im Garten von Familie Grossinger. Ein großer Villengarten in Pressbaum mit altem Obstbaumbestand und zum Teil auch etwas jüngeren Bäumen. Dieser Garten führt uns vor, wie trotz ungünstiger Lage (luftfeuchte Tallage) bei entsprechender Sortenwahl - zum Beispiel dem ‚Gelben Richard’ - ansprechendes und wohlschmeckendes Obst im Hausgarten zu haben ist.

 
 

Obst im Weingarten - Durcheinander

 
 

Kritzendorfer Ribisel, Weingartenpfirsich und Erdbeeren

Der Weingarten, eines der ältesten Elemente der europäischen Kulturlandschaft, prägt seit Jahrhunderten in den klimatisch begünstigten Teilen des Wienerwaldes (Themenlinie und Nordabdachung) die Landschaft. Das Bild eines Weingartens hat sich über die Zeit jedoch radikal gewandelt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs der Wein „im Durcheinander“. Die Rebstöcke wurden nicht in Zeilen gepflanzt und auch nicht angebunden. Die Vermehrung durch Ableger („Vergruben“) der vorhandenen Rebstöcke war die Regel. Geerntet wurde ein „gemischter Satz“: ertragsstarke Reben wuchsen neben bukettreichen, die Weine waren jeweils eine individuelle Sortenmischung. Mitten „im Durcheinander“ der Reben gediehen Obst, Gemüse und Gewürzpflanzen wie Pfirsich, Ribisel, Knoblauch, Kren und verschiedene wilde Erdbeerarten.... der Weingarten war tatsächlich ein vielfältiger Garten.

Untrennbar mit dem Weingarten verbunden ist der Ort der Weinbereitung – der Weinkeller. Er wird mehrmals im Jahr zum Heurigen – ein Ort an dem Wein und selbstbereitete Speisen angeboten werden. Auch hier finden wir typische Kulturpflanzen wie Nussbäume, Kirschen etc als Obst- und Schattenspender. Eine alte Kirschensorten aus dem Wienerwald ist die Kritzendorfer Einsiedekirsche, die im Bezirk Klosterneuburg noch an wenigen Standorten anzutreffen ist.

In Paffstätten (Bezirk Baden) führte uns Herr Kernbichler Senior durch die Weingärten und erzählte über die Weingartenpfirsiche: „Pfirsiche wachsen schon seit mindestens 100 Jahren bei uns im Weingarten, sie gehen einfach auf und wachsen so schnell wie der Baier (= ein lästiges Unkraut)“ Die Besonderheit des Weingartenpfirsichs liegt in der Vermehrung über Samen, nicht durch Veredelung. Dadurch entstand eine große genetische Vielfalt von Pfirsichen, die an lokale Klimabedingungen angepasst sind. „Den“ Weingartenpfirsich gibt es demnach nicht, doch lassen sich einige Gemeinsamkeiten festmachen: sie reifen relativ spät, sind kleinfrüchtig, die Schale ist nie völlig glatt, der Geschmack meist würzig und leicht herb.

Weingartenpfirsiche sind eine der wenigen Obstarten die nicht veredelt sonder über den Samen vermehrt werden. Die Samenvermehrung von Pfirsichen ist eine einfache Sache. Pfirsichsamen haben von der Natur eine dicke Schale (man nennt sie ja auch Steine) und noch dazu eine Keimhemmung mitbekommen. Das führt dazu, dass sie zwei oder mehrere Winter im Erdboden überliegen können und dann erst zu wachsen beginnen. Wir müssen die Samen durch einen einfachen Trick - dem Stratifizieren - glauben lassen, es sei bereits früher Zeit für sie zu keimen. Die Pfirsichkerne am besten gleich nach dem Verzehr der Früchte etwas waschen und abbürsten, in reinen Sand legen, schwach angießen und über den Winter bis etwa Anfang April im Keller bei tiefen Temperaturen aber frostfrei lagern. Die Lagertemperatur sollte über mehrere Tage etwa 5° C betragen. Haben sie keinen geeigneten Erdkeller, können die Pfirsichkerne auch für ein 3 Wochen in den Kühlschrank wandern. Im April sollten die Steinkerne schon angeschwollen sein. Dann ist es an der Zeit, sie in eine Freilandbeet zu stecken. Spätfröste schaden den Keimlingen nicht. Die Pfirsiche entwickeln sich im ersten Jahr zu 50cm großen Bäumen und könne im Herbst darauf verpflanzt werden.

Im Norden des Wienerwaldes, im Bezirk Klosterneuburg, richtete die Reblaus Ende des 19. Jh. verheerende Schäden im Weinbau an. Die Weinbauern waren gezwungen, neue Erwerbsquellen zu erschließen und pflanzten anstelle der Reben eine in der Region verbreitete Ribiselsorte in die Weingärten. Die Kritzendorfer Ribisel machte sich alsbald auch in Wien einen Namen und Ribiselheurige lockten Ausflügler in den Wienerwald.

 
 

Streuobstwiesen als vielfältige Lebensräume

 
 

gel, Insekten und Säugetiere in der Obstw

Streuobstwiesen bilden eine Übergangsform zwischen Wald und reinem Grünland und weisen bei entsprechender Struktur und extensiver Bewirtschaftung eine außergewöhnliche hohe Artenvielfalt auf. Im Gegensatz zu geschlossenen Wäldern gelangt hier genügend Licht zur Ausbildung einer dichten Gras- und Krautschicht zum Boden und auch die Baumkronen werden noch gut besonnt. Pflanzen und Tiere finden durch die Kombination von Wiese und Baum ein besonders großes Spektrum an unterschiedlichsten Lebensräumen.

Die Krone – Nahrungsquelle und Aufenthaltsort, stellt für die Tierwelt eine ganz besondere Attraktion dar. Vor allem das Nahrungsangebot lockt fast das ganze Jahr über: Im Frühjahr übt die Obstblüte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Insekten aus. Danach konzentriert sich das Insektenleben auf die austreibenden Blätter der Bäume. Aber auch das Holz und nicht zuletzt die Früchte und Samen werden als Nahrung angenommen. Die Krone selbst ist Nist- und Brutplatz, Rast- und Zufluchtsort. Eine wichtige Funktion haben dürre Totholzteile der Krone: sie werden als Singwarten, als Ansitzplätze für die Jagd sowie als Wachposten während der Brutzeit benutzt.

Die Borke – Unterschlupf für zahlreiches Getier! Obstbaumrinden erscheinen nur auf den ersten Blick unscheinbar und langweilig. Sobald man sich eingehend mit diesem „Klein – Lebensraum“ beschäftigt, entdeckt man eine Vielfalt von Lebensräumen für die Tierwelt. Insbesondere Asseln, Milben, Fadenwürmer und Springschwänze fühlen sich auf und unter der Obstbaumrinde wohl. Flechten und Moose siedeln sich bei günstigen Bedingungen am Stamm an. Jede Obstart hat ihren eigenen Rindentyp, der mit zunehmenden Alter seine Ausprägung erfährt. Die Palette reicht von tiefrissiger bis hin zu glatter Oberfläche.

Baumhöhlen – Oasen der Ruhe! Baumhöhlen sind wichtige Lebensräume innerhalb der Obstbestände. Diese Höhlen sind Brutplatz für Vögel und Hornissen, Unterschlupf für Mäuse und andere Säuger (Fledermäuse, Sieben- oder Gartenschläfer) sowie „Kinderstube“ für Ohrwürmer. Für den Steinkauz sind Baumhöhlen sowohl Vorratskammer als auch „Raststätte“. Die Fähigkeit solche Baumhöhlen zu entwickeln, hängt vom Baumalter ab und ist je nach Obstart sehr unterschiedlich ausgeprägt: Apfelbäume sind „gute Höhlenbildner“, gefolgt von Birne und Zwetschke. Kirsche, Mostbirne und Walnuss weisen hingegen kaum Höhlen auf. Daher ist es wichtig auch solche Bäume zu belassen die aus obstbaulicher Sicht ‚nichts mehr bringen’. Mit ihren Höhlen sind sie Herberge für viele Arten, die auch der Obstbauer gerne in Garten sieht, die das ökologische Gleichgewicht im Obstgarten erhalten.

 
 

Wald bedroht Wiese

 
 

Die Streuobstwiesen im Wienerwald verschwinden zusehends!

Bis in die 1950er Jahre zählte der Wienerwald zu den wichtigen Nahversorgungsgebiete der Großstadt Wien. Milchprodukte und auch Frischobst wurde direkt vor den Toren Wiens produziert. Diese Art der Landnutzung gab dem Wienerwald sein einzigartiges Gepräge: Ausgedehnte Wälder unterbrochen von blühenden Wiesen und Obstbäume. Diese Wiesen des Wienerwalds zählen zu den schönsten und artenreichsten Österreichs.

Die 1960er Jahre und die zunehmende Internationalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft und des Warenverkehrs brachten eine Abkehr von der extensiven Landnutzung. Die Erzeugung von Frischobst und Milchprodukten wanderte in die Gunstlagen ab, wo die Produktion billiger und effizienter war, zumal längere Transportwege keine Rolle mehr spielten. Die Bedeutung der Landwirtschaft im Wienerwald ließ mehr und mehr nach. Wiesenflächen fielen brach.

Die Folge: in den ersten Jahren werden aus den einstmals bunten, artenreichen Wiesen artenarme Brachen, einige wenige Arten wie Goldrute, Brennnesseln und Reitgras geben den Ton an. Und dann kommt der Wald: Zuerst sind es Büsche wie Rosen, Schlehen, Hartriegel die vom Rand her die Lichtungen erobern, Waldreben überwuchern die Obstbäume und zwingen sie in die Knie, dann übernehmen Eschen und Ahorn das Regiment und nach 20 bis 30 Jahren ist von den ehemaligen Wiesen (fast) nichts mehr zu erkennen. Nur die zugewucherten Obstbäume sind stumme Zeugen der blühenden Zeit.

Ein positives Beispiel sind Obstgärten der Familien Leitzinger und Niedl in Wolfpassing. In den Obstgärten stehen an die 100 verschiedene über die Jahrzehnte auch selbstveredelte Bäume. Liebevoll werden die Wiesen „Am Berg“ gepflegt, bereits vom Wald zugewucherte Bäume wieder freigeschnitten, ein eigenes Mähgerät wurde angeschafft um die buckeligen Wiesen besser mähen zu können. Rund um diese Obstwiese gibt es direkt im Wald unglaublich viele Obstbäume, manche bereits tot oder dahinvegetierend. Von den ehemals 10 - 15 Landwirten im Ort gibt es heute keinen mehr und die Nachfahren wissen oft nichts von ihrem Erbe und der Wald hat freies Spiel.

Der NÖ Naturschutz ist bestrebt (Streuobst)Wiesenflächen zu erhalten. Darüber hinaus ist der Wienerwald Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzwerks „Natura 2000“. (Streuobst)Wiesenflächen sollen über das landwirtschaftliche Förderprogramm ÖPUL erhalten werden. Denn nur die Aufrechterhaltung der Nutzung garantiert den weiteren Bestand dieser strukturreichen Lebensräume. Ziel ist es eine möglichst vielfältige Landschaft zu bewahren denn was gibt es schöneres, entspannenderes als eine romantische Hügellandschaft mit Wald, Wiesen und Obstbäumen? Und das ist es gerade was wir im Wienerwald suchen und noch finden.

Die vor vier Jahren gegründete „Vermarktungsgemeinschaft Wienerwald“ mit 25 landwirtschaftlichen Betrieben bieten ein umfangreiches Sortiment an Most, Fruchtsäften, Likören und Edelbränden aus traditionellen Obstsorten an. Der Kauf von regionalen landwirtschaftlichen (Obst)Produkten aus dem Wienerwald ist daher ein wesentlicher Beitrag zu diesem wichtigen Vorhaben.

 
 
 
 
 
 
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