Paradeiser

Die wichtigsten Fragen und ihre Antworten

Hier finden Sie Antworten auf einige besonders häufig gestellte Fragen zum Thema "Anbau & Kulturführung".

 

Freilandanbau oder doch lieber ein Tomatendach?

 
 

Immer wieder werden wir gefragt ob Tomaten ein Dach brauchen oder nicht.

Unsere Antwort: wenn's möglich ist, JA!

Paradeiseranbau im Freiland birgt stets gewisse Risiken. Abgesehen von Gewitter- und Hagelereignissen kann vor allem ein Pilz (Phytophthora infestans) der Tomate zu schaffen machen. Dieser Erreger verursacht die sogenannte "Kraut- und Braunfäule", wodurch es bei feuchter Witterung in sehr kurzer Zeit sogar zum Absterben der ganzen Pflanze kommen kann. Besonders gefährlich sind längere Perioden mit hoher Luftfeuchtigkeit und kühlen Temperaturen (13 - 18 °C). Sobald dann auch noch Wasser an der Blattoberfläche vorhanden ist, findet der Pilz optimale Keimbedingungen.

Daraus lassen sich auch etliche Regulierungsstrategien ableiten:
> Auswahl robuster Sorten
> luftigen Standort bevorzugen
> nicht zu dicht pflanzen
> ausgeizen (damit luftiger Bestand, der rasch abtrocknen kann)
> Gewächshäuser gut lüften
> nicht zu viel gießen
> nicht von oben gießen
> Dach als Regenschutz
> Mulchschicht gegen Spritzwasser
> befallene Blätter rasch entfernen

Dementsprechend sind Regionen mit trockenen und heißen Sommern (wie beispielsweise der Seewinkel) von vornherein deutlich weniger gefährdet. In kühleren und feuchteren Gegenden sollten die oben gelisteten Maßnahmen aber unbedingt berücksichtigt werden, um einen Befall möglichst lange hinauszuzögern und eine erfreuliche Paradeiserernte zu sichern.

Oft wird dann eingewendet: aber die Oma hat doch auch immer alle Tomaten problemlos ohne Dach angebaut...

Unsere Antwort: Ja, das kann gut sein!

In der Tat war der besagte Pilz vor etlichen Jahrzehnten noch deutlich weniger aggressiv. Doch leider entwickeln sich auch Schaderreger weiter! Damit die Pflanzen wieder wie früher selbstständig mit dem Pilz zurecht kommen können, müssen wir unseren liebgewonnenen Paradeisern ebenfalls Raum zur Weiterentwicklung gönnen. Besonders robuste Freilandtomaten werden beispielsweise vom Bio-Züchter Bernd Horneburg in Göttingen entwickelt. Im Rahmen der AG Bauernparadeiser werden diese Sorten gemeinsam mit Herkünften aus dem ARCHE NOAH Samenarchiv auch unter österreichischen Bedingungen getestet.

 
 

Schnellere Abreife durch Entblättern?

 
 

Tomaten entblättert und sie reifen dennoch nicht schneller: Damit die Früchte reifen, braucht es den ganzen Stoffwechsel der Pflanze, unter anderem die Fotosynthese, nicht nur Sonnenlicht und -wärme. Die Süße der Tomate entsteht durch Zuckereinlagerung bei der Reifung der Frucht am Strauch. Darum können Grün geerntete Früchte, bei der Nachreifung zwar rot werden, aber keinen Zucker mehr einlagern.

 
 

Mulchen oder offener Boden?

 
 

Den Boden mulchen bewährt sich vor allem bei großer Hitze bzw. in niederschlagsarmen Gegenden. Mulchen bedeutet, eine Schicht aus verrottendem Material aufzubringen. Meist ist Rasenschnitt vorhanden, welcher maximal 3 cm dick auf den Flächen zwischen den einzelnen Pflanzen aufgebracht wird.

Positive Wirkungen des Mulchens:

  • Fördert Bodenatmung
  • Beschattet und fördert das Bodenleben und damit die Nähstoffkreisläufe
  • Reduziert die Verdunstung
  • Hält die Feuchtigkeit im Boden
  • Die Bodenoberfläche kann nicht verschlämmt und dadurch verdichtet werden
  • Unterdrückt Beikräuter und reduziert damit den Jätaufwand

Mulchmaterialien für einjährige Kulturen:

  • Grasschnitt
  • Zerkleinertes Grün, Brennnesseln,
  • Beinwell, Schafgarbe, Farnkraut,
  • Dinkelspelzen, Flachsschäben
  • Karton- und Papierschnipsel
  • Stroh
  • Heu (Achtung auf die Samen, die keimen aus)

Für mehrjährige Kulturen werden langsam verrottende Materialien verwendet:

  • Perserteppich, Jute, Schafwolle
  • Kies, Lava, Bims, Muscheln,
  • bunte Glasmugelsteine

Nicht geeignet für Gemüse sind

  • Rindenmulch, Sägespäne und Laub (diese können jedoch für Beerensträucher verwendet werden). Diese versauern den Boden.

Achtung: Beim Verrottungsprozess wird dem Boden und somit der Pflanze Stickstoff entzogen!

Gründüngung
Jetzt schon den Boden für die Pflanzen im nächsten Jahr vorbereiten! Gründüngung hat in der biologischen Landwirtschaft eine große Bedeutung. Dort wird sie als Zwischenfrucht oder als Winterbegrünung angebaut. Die
Vorzüge der Gründüngung/Winterbegrünung können wir uns auch am Balkon zunutze machen.

Gründüngungspflanzen sind
Pflanzen der Familie der Schmetterlingsblütler (Leguminosen). Sie haben die Fähigkeit, Stickstoff (N) aus der Luft zu binden und in den Boden einzubringen. Sie werden zum einen wegen dieser Fähigkeit angebaut, zum anderen kann die Pflanzenmasse selber nach der Ernte bzw. nach dem Abfrieren als Mulchmaterial verwendet werden. Zersetzt sich die Pflanzenmasse langsam, kann sie auch in den Boden eingearbeitet werden (zusätzliche Düngewirkung!).

Stickstoffbindende Gründüngungspflanzen sind beispielsweise

  • Erbse
  • Gartenbohne
  • Puffbohne
  • Klee
  • Linsen
  • Lupinie