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Uhudler

(c) Gerhard Kahr

Rettet den Uhudler!

Der südburgenländischen Weinspezialität - dem UHUDLER - wird aufgrund der aktuell geltenden Gesetzgebung auf nationaler und europäischer Ebene das Leben schwer gemacht: Auspflanzverbote, zugelassene oder nicht zugelassene Sorten, Deklarierung als Obstwein - nur einige Stichworte die den Sachverhalt um den Uhudler beschreiben.

Im Hinblick auf die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt stellt der Uhudler eine wichtige pflanzengenetische Ressource dar. ARCHE NOAH setzt sich dafür ein, dass es den Uhudler in ganz Europa in all seinen Sorten geben darf. Dafür arbeiten wir auf österreichischer und europäischer Ebene.

Aktuelles

(c) Kim Aigner

Uhudler bei Verkostung in Frankreich

04.09.2016: Die französische Organisation Fruit Oubliés lud am 4. September zu einer Verkostung von Weinen aus Direktträger-Sorten ein. Neben französischen Vertretern wurden italienischer Wein und auch einige Flaschen Uhudler aus Österreich verkostet. Die Weine fanden bei den BesucherInnen guten Anklang, die Verkostung war also ein voller Erfolg, wie Fruit Oubliés berichtet. Ziel der Veranstaltung war es aber auch, neben dem Genuss der Verkostung, auf die rechtliche Lage der Direkträger-Weine hinzuweisen. Denn noch immer sind sechs dieser Rebsorten laut der gemeinsamen Marktordung der EU verboten. ARCHE NOAH setzt sich daher weiterhin für ein Ende der Diskriminierung dieser Rebsorten auf EU-Ebene ein.

 
 

Weingesetznovelle beschlossen

18.05.2016: Nun ist sie beschlossene Sache, die Weingesetznovelle und mit ihr die sogenannte Obstweinlösung für den Uhudler. Die Novelle wurde am Mittwoch, ohne die Zustimmung der Neos beschlossen. Ob die Obstweinlösung in dieser Form langfristig halten wird, wird sich zeigen. Mehr dazu in der Stellungnahme der Arche Noah zur Weingesetznovelle. Für Österreich wurde vorerst eine Lösung gefunden, für eine nachhaltige Absicherung der Uhudler-Sorten müssen langfristig aber die diskriminierenden Verbote auf europäischer Ebene abgeschafft werden. Dafür setzen wir uns auch weiterhin ein.

 
 
(c) Arche Naoh Schiltern

Uhudler-Verkostung in Brüssel

12.05.2016: Das gab es noch nie: Von der EU verbotene Weine wurden ausgerechnet im EU-Parlament serviert. Zwei französische Abgeordnete, die Organisation Fruit Obliés und ARCHE NOAH hatten am 26. April zur "illegalen Weinverkostung" eingeladen. Neben einigen Flaschen Uhudler wurden Direktträgerweine aus Frankreich und Italien verkostet, welche bei den ParlamentarierInnen durchwegs guten Anklang fanden. Wird das Anstoßen nun auch Anstoß für eine Aufhebung des Verbots der Uhudler-Rebsorten? Das werden die kommenden Monate zeigen.

 
 
 
(c) Arche Naoh Schiltern

Fotogalerie

Uhudler-Verkostung im EU-Parlament

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Obstweinlösung im Landwirtschaftsausschuss beschlossen

05.05.2016: Die Weingesetznovelle und mit ihr die sogenannte Obstweinlösung für den Uhudler, wurde am 4. Mai im Landwirtschaftsausschuss beschlossen. Ob die Obstweinlösung in dieser Form langfristig halten wird, wird sich zeigen. Mehr dazu in der Stellungnahme der Arche Noah zur Weingesetznovelle.

 
 
(c) Arche Naoh Schiltern

Historische Hintergründe zum Uhudler Verbot

26.04.2016: Um die historischen Hintergründe der Uhudler-Verbote genauer zu beleuchten, hat das Politikteam der Arche Noah eine intensive Recherche zur Entstehung der Verbote von Direktträger-Rebsorten in Europa durchgeführt. Dabei haben wir die Gründe für die Einführung der Verbote in fünf Mitgliedstaaten untersucht und die angeführten Argumente zusammen getragen. Lesen sie hier vorerst die englische Zusammenfassung des Berichts. Soviel vorab: der Uhudler ist weder gesundheitsschädlich, noch gibt es plausible Gründe für das anhaltende Verbot. Im Gegenteil, die Uhudler-Rebsorten bergen ein enormes Potential, da sie über Resistenzen verfügen und ohne Spritzmittel auskommen. 

 

 
 

“Obstweinlösung” im Nationalrat

30.03.2016: Um den Verkauf des Uhudlers in Österreich abzusichern, wurde im Zuge der aktuellen Novellierung des Weingesetzes die sogenannte "Obstweinlösung" vorgeschlagen. Demnach soll Uhudler aus jenen Sorten, die von der EU nicht zur Weinerzeugnung zugelassen sind, künftig als Obstwein verkauft werden können. Der Entwurf zur Weingesetznovelle wurde Ende März im Ministerrat beschlossen und ist nun im Nationalrat eingelangt. Die Lösung ermöglicht zwar den weiteren Verkauf des Uhudler, ist aber durchaus umstritten. Denn um die Diskriminierung von Weinen aus Uhudlersorten nachhaltig zu beenden, bräuchte es jedenfalls eine Lösung auf Europäischer Ebene. 

 
 

Häufige Fragen zum Uhudler

Wer oder was ist ein Uhudler?

 
 

Hinter dem Begriff „Uhudler" stecken spezielle Weine, die aus sogenannten Direktträgern hergestellt werden. Direktträger sind Rebstöcke, die nicht veredelt werden, also die die Trauben des Wurzelstocks „direkt tragen“. Uhudler wird aus verschiedenen solcher Rebsorten wie zum Beispiel Othello Blau, Noah Grün, Elvira, Isabella oder Concord erzeugt. Der Geschmack des Uhudlers erinnert an Erdbeeren und Johannisbeeren und wird oft als "Foxton" bezeichnet. Der Uhudler wird in Österreich vor allem im Südburgenland angebaut, seine Wurzeln liegen aber in Amerika.

Im 19. Jahrhundert wurde der europäische Weinbau von der Reblaus heimgesucht. Als ein Versuch den Weinbau zu retten, wurden die sogenannten Amerikanerreben (Vitis labrusca, Vitis riparia …) nach Europa gebracht, weil sie über Resistenzen gegen die Reblaus und Mehltaupilze verfügten. Diese Schädlinge stammen auch aus Nordamerika, die Rebsorten haben dort jedoch gegen die ständige Bedrohung Resistenzen entwickelt. Im Gegensatz dazu war die europäische Rebe (Vitis vinifera) schutzlos ausgeliefert: in ganz Europa wurden die Weingärten vernichtet.

Obwohl die amerikanischen Reben einerseits Schadenverursacher waren, wurden sie andererseits aufgrund ihrer Resistenzen dringend für den Wiederaufbau des europäischen Weinbaus benötigt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Strategien im Kampf gegen die Reblaus verfolgt:

  • Das Veredeln von europäischen Weinsorten mit amerikanischen Reben als Unterlage (Unterlagszüchtung), bei der die europäischen Reben (Vitis vinifera) den früchtetragenden Teil bilden.

  • Die Züchtung von resistenten Sorten durch Kreuzung der Amerikanerreben mit Vitis vinifera.

  • Das direkte Pflanzen von Kreuzungen der amerikanischen Rebenarten untereinander

Das Veredeln hat sich durchgesetzt, heute steht fast der gesamte europäische Weinbau auf amerikanischen Wurzeln und die Züchtung resistenter Sorten ist weiterhin eine wichtige Strategie im Weinbau. Auch die Direktträger waren zwischenzeitlich sehr erfolgreich und es gibt immer noch ein paar Relikte aus dieser Zeit. Dazu gehören die Uhudler-Weingärten im Südburgenland.
 
Exkurs - wieso heißt der Uhudler Uhudler?
Um die Bezeichnung ranken sich einige Legenden - die am meisten verbreitetste besagt, dass Männer nach intensivem Genuss des Weines Ringe unter den Augen bekamen und diese von Seiten ihrer Ehefrauen mit der Aussage "Du schaust ja aus wie ein Uhu!" kommentiert wurden.
 
 
 
 
 

Warum ist der Uhudler bedroht?

 
 

Für den Anbau sowie das Inverkehrbringen von Wein in der EU muss eine Weinsorte seit 1971 klassifiziert sein. Sechs Uhudler-Sorten sind von dieser Klassifizierung gänzlich ausgeschlossen. (Noah, Othello, Isabelle, Jacquez, Clinton und Herbemont). Um klassifizierbar zu sein, muss eine Sorte außerdem aus einer Kreuzung mit einer europäischen Sorte (Vitis vinifera) stammen.

Die Liste der klassifizierbaren Weine ist de facto eine politische Entscheidung – es gibt kein objektives Bewertungsverfahren der Weine unter gleichen Gesichtspunkten.

In Österreich gilt laut dem EU-Beitritt eine Art "Übergangslösung". Laut der Burgenländischen Weinbauverordnung gelten jene Uhudlersorten, die nicht schon von der EU aus verboten sind als für den Anbau „vorübergehend zugelassen" (bis 2030). Eine Wiederbepflanzung mit diesen vorübergehend zugelassenen Sorten ist laut der Verordnung aber nicht erlaubt. 

Konkret bedeutet das, dass Wein aus einigen Uhudlersorten in Österreich zwar bis 2030 verkauft werden darf, es dürfen allerdings keine Rebstöcke nachgepflanzt werden. Diese Situation führt also zwangsläufig zu einer langsamen Dezimierung der Uhudlerbestände.

Der Fortbestand des Uhudler ist also nicht langfristig gesichert. Derzeit gibt es in Österreich unterschiedliche Bestrebungen den Uhudler zu "retten". Siehe dazu "Lösungen für die Rettung des Uhudlers"

 
 
 
 

Welche gesetzlichen Grundlagen betreffen den Uhudler?

 
 

Wie bereits erläutert, müssen Weinsorten für den Anbau sowie das Inverkehrbringen in der EU seit 1971 klassifiziert sein.

Die betreffende EU-Verordnung ist in Österreich auf zwei Ebenen umgesetzt:

  • Der Verkauf von Uhudler-Wein wird auf Bundesebene geregelt (Inverkehrbringen). Das entsprechende Gesetz ist das Weingesetz 2009.

Das "Uhudlerverbot" basiert auf Artikel 81 der Gemeinsamen Marktordnung für landwirtschaftliche Erzeugnisse der EU (EU-Verordnung Nr. 1308/2013, Art. 81) sowie einige Artikel, die auf Art 81 Bezug nehmen. In Artikel 81 wird festgelegt, dass von den Mitgliedsstaaten nur Keltertrauben klassifiziert werden dürfen die folgende Kriterien erfüllen:

  • Die betreffende Keltertraubensorte gehört der Art Vitis vinifera an oder stammt aus einer Kreuzung der Art Vitis vinifera mit anderen Arten der Gattung Vitis
  • die betreffende Keltertraubensorte ist keine der Folgenden: Noah, Othello, Isabelle, Jacquez, Clinton und Herbemont.

Zu erwähnen ist diesbezüglich, dass nicht immer klar ist, ob es sich bei den Uhudler-Sorten um Kreuzungen mit Vitis vinifera handelt oder nicht.

Die Verbote der Uhudler-Reben beziehen sich nur auf den Erwerbsweinbau - Privatpersonen bzw. private Gärten sind davon nicht betroffen. Im Burgenland ist ein Erwerbsweinbauer wie folgt definiert: eine Person, die Pflanzflächen von insgesamt mehr als 500 m2, die zur Erzeugung von Kelter- oder Tafeltrauben (Ertragsweingarten) mit mindestens einer Weinrebe je 6 m2 bepflanzt ist, bewirtschaftet. Uhudler in privaten Gärten anzubauen oder auf Flächen bis 500m2 pro Person ist demnach ohne Probleme erlaubt und erfreut sich in ganz Österreich steigender Beliebtheit.

 
 
 
 

Warum wurden Direktträger verboten?

 
 

Unterschiedlichste historische Anlässe und auch Gerüchte resultierten im Jahr 1971 schlussendlich in einem Verbot auf EU-Ebene.

Hier ein historischer Abriss hinsichtlich der Verbotsentwicklungen in Europa und deren Gründe.

  • Erste Verbote des Uhudlers kamen 1904 in Deutschland aus Angst vor einer Verschleppung des falschen Mehltaus zustande.
  • Weitere Verbotswellen erfolgten in den 20er und 30er Jahren aufgrund der brenzligen Preissituation am europäischen Weinmarkt. Neue Weinbauländer wie Algerien (damals französische Kolonie) drängten auf den Weinmarkt und der Weinkonsum ging wegen Weltwirtschaftskrise und Prohibitionsbewegung in den USA zurück. Der Druck der Weinbauern zwang die Regierungen, stark in den Weinmarkt einzugreifen. Die Neuanlage von Weingärten wurde großteils verboten und Weinüberschüsse wurden destilliert. Die “Edelweinbauern” sahen die Direktträgerproduzenten als Konkurrenz, die mit weniger Arbeitsaufwand (Veredeln und Spritzen ist bei Direktträgern nicht notwendig) die gleiche Menge an Wein produzieren konnten. Also nutzten die Edelweinbauern die Situation und starteten eine Offensive gegen diese unliebsame Konkurrenz. Eine zentrale Rolle in Österreich spielte hierbei der Weinbauexperte Dr. Fritz Zweigelt. Dieser war maßgeblich an der Initiative beteiligt, welche 1936 zum Verbot des Anbaus von Direktträgern und des Verkaufs der daraus gekelterten Weine führte. Ähnliche Verbote wurden zuvor bereits in Frankreich und Portugal erlassen, ein entsprechendes Gesetz folgte in Spanien erst 1970.

Um den Uhudler ranken sich auch zahlreiche Gerüchte, die mitunter zur Verbotsentwicklung beigetragen haben könnten:

  • Angeblich mache der Uhudler krank und blind - daran Schuld sei der erhöhte Methanolgehalt: Die Methanolgehalte von Uhudler liegen laut mehreren vergleichenden Studien allerdings im Bereich anderer „Edelweine“. Der Konsum (in angemessenem Ausmaß) stellt demnach kein gesundheitliches Risiko dar. Trotz diverser Studien zum Methanolgehalt in Uhudlerweinen hält sich das Gerücht von einem zu hohen Methanolgehalt hartnäckig.
  • Oft wird auf Studien verwiesen, die belegt hätten, dass der Uhudler gesundheitsschädigend sei: Es gibt einige fragwürdige Studien aus den 1960er Jahren von einem deutschen Wissenschaftler mit NS-Vergangenheit, die behaupten, dass Direktträgerweine die Gesundheit schädigen. Diese Studien wurden jedoch bereits in den 1970er Jahren von verschiedenen Wissenschaftlern widerlegt.
  • Uhudler seien Träger von gefährlichen Krankheiten und könnten ganze Weinbauregionen infizieren. Die Uhudlersorten haben ihren schlechten Ruf aus ihrer Vergangenheit mitgenommen. Denn auf amerikansichen Reben wurde die Reblaus in Europa eingeschleppt, welche anschließend nahezu den gesamten europäischen Weinbau vernichtete. Gleichzeitig waren die amerikanischen Direkttäger wegen ihrer Resistenzen auch die einzige Hoffnung für den europäischen Weinbau. 
 
 
 
 

Wo werden in Europa noch Direktträger angebaut?

 
 

Zu den EU-Ländern, deren Bestände der Arche Noah bekannt sind zählen Frankreich (Jaquez, Herbement, Othello, Noah, Clinton, Isabelle), Slowenien (Šmarnica oder Jurka), Ungarn (Othello), Norditalien (Fragolino), Portugal und den Azoren (Morangueiro, Cheiro) sowie Spanien (Vino Barrantes).

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Direktträgersorten jedoch in ganz Europa verbreitet. Deshalb ist davon auszugehen, dass es auch am Balkan noch nennenswerte Bestände gibt.

In Österreich gibt es auch Bestände in der Steiermark, während für diese Direktträgerweine Bezeichnungen wie Suhudler oder Heckenklescher verwendet werden.

 
 
 
 

Welche Lösungen gibt es für die Rettung des Uhudlers?

 
 

Europäische Ebene:

Da die "Uhudler-Problematik" in Zusammenhang mit der bestehenden EU-Verordnung steht, sind hier Lösungen auf EU-Ebene erforderlich. Diese könnten folgendermaßen aussehen:

  • "Große Lösung": Abschaffung der Diskrminierung von Rebsorten durch Aufhebung der verpflichtenden Klassifizierung von Rebsorten hin zu einer Empfehlung der Mitgliedsstaaten oder
  • "Kleine Lösung" (kurzfristig machbar): Aufhebung der Diskriminierung von Direktträgern bei der Klassifizierung (Direktträger müssen klassifizierbar werden)
Österreichische Ebene:
 
Die betreffende EU-Verordnung ist in Österreich auf zwei Ebenen umgesetzt. Der Verkauf ist auf Bundesebene geregelt.
Im Zuge der derzeitigen Novellierung des österreichische Weingesetzes soll es möglich werden den Uhudler künftig als "Obstwein" zu deklarieren. Da die Verbote auf europäischer Ebene nur auf Wein, nicht aber auf Obstwein anzuwenden sind, würde die sogenannte "Obstweinlösung" die Inverkehrbringung des Uhudlers als Obstwein langfristig ermöglichen.
 
Der Anbau wird auf Länderbene geregelt. Laut burgenländischer Weinbauverordnung sind jene Uhudlersorten, die nicht bereits vom EU-Gesetz verboten sind, "vorübergehend zugelassen" (bis 2030). Ein Nachpflanzen dieser Sorten ist allerdings nicht erlaubt. Um die Rodung solcher nachgepflanzter Uhudlerflächen zu verhindern, wurde eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Hierbei wurde überprüft, ob die betroffenen Sorten nicht doch Kreuzungen mit Vitis vinifera darstellen. Da beispielsweise bei der Sorte Ripatella ein Anteil an Vitis vinifera festgestellt wurde, soll diese nun mit rund elf anderen Sorten in die burgenländische Weinbauverordnung aufgenommenn werden. Diese Sorten dürften demnach künftig auch angepflanzt werden.
 
 
 
 

Welches Potenzial birgt der Uhudler-Anbau in Österreich?

 
 

Die Direktträger-Sorten waren die Basis der Züchtung von modernen pilztoleranten Sorten und spielen in der Unterlagszüchtung immer noch eine wichtige Rolle. Auch in Zukunft sollten sie für die Züchtung erhalten bleiben. Sie stellen eine wichtige pflanzengenetische Ressource dar, die es zu erhalten gilt.

Der politische Einsatz für den Erhalt der Direktträger ist insbesondere im Hinblick auf das agronomische Potenzial sinnvoll: Wegen ihrer hohen Resistenz gegen bestimmte Pilzkrankheiten (falscher und echter Mehltau) benötigen Direktträger keine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln. Durch die Schonung der Böden aufgrund der somit eingesparten Pflanzenschutzmittel und der bodenverdichtenden Überfahrten kann der Anbau von Direktträgern als besonders umweltschonend bezeichnet werden.

Im Südburgenland setzt sich der Verein „Freunde des Uhudlers" für den Uhudler ein. Er hat 330 Weinbauern als Mitglieder, die jährlich ca. 200.000 Liter Wein produzieren. In ungefähr 40 Buschenschanken in der Region wird der Uhudler ausgeschenkt. Dadurch, dass der Uhudler nur in den Anbaugemeinden verkauft werden darf, kommen viele Touristen in die Region. Das Weinbaumuseum Moschendorf und das Kellerviertel Heiligenbrunn beleben das Kulturangebot und tragen zur Erhaltung von traditionellem Handwerk bei. Der Uhudler ist demnach auch in Bezug auf die regionale Entwicklung im Südburgenland zentral.

Die Uhudler-Bauern in Österreich bewirtschaften insgesamt nur mehr eine winzige Fläche von 50 Hektar. Einige Uhudler-Rebsorten sind grundsätzlich verboten. Die derzeit vorübergehend zugelassenen Sorten sollen nach derzeitiger Rechtslage 2030 auslaufen und dürfen schon heute nicht mehr nachgepflanzt werden. Das wäre das Ende des Uhudlers – er wäre dann wohl tatsächlich nur mehr in ein paar Hausgärten und im Museum anzutreffen.

 
 
 
 

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