Sternparadeiser*

Sternparadeiser HP Titel 2

Kulturpflanzenvielfalt ist etwas Lebendiges, sie lässt sich weder in Stein meißeln noch in Tiefkühltruhen einsperren. Sie kennt weder einen klaren Anfang noch ein klares Ende und schon gar keinen Stillstand. In diesem Sinne möchte wir heuer einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Tomatenvielfalt leisten. Mit dem Mitmach-Projekt Sternparadeiser* wagen wir uns auf neue, unbekannte Wege - und wir laden alle Hausgärtnerinnen und Paradeiserliebhaber herzlich ein uns dabei zu begleiten!

Sternparadeiser Kreuzen

DAS PROJEKT

Mittlerweile gibt es einige "schwarze" Paradeiser. Da aber keine der derzeit verfügbaren Sorten unseren Fruchtqualitäts-Ansprüchen gerecht wird, haben wir beschlossen das Thema auch selbst in die Hand zu nehmen. Mit dem Ziel schwarze Cocktailparadeiser mit hervorragendem Geschmack und bunten Sternen zu entwickeln, haben wir in einem ersten Schritt bereits zahlreiche Kreuzungen durchgeführt. In der Nachkommenschaft wollen wir uns nun gemeinsam mit interessierten Hausgärtnern und Tomatenproduzentinnen auf die Suche nach den allerbesten unter den Sternparadeisern begeben. Daher verteilen wir für die Saison 2017 kostenfrei Saatgut an alle, die sich mit einem Experiment im eigenen Garten bei dieser Suche beteiligen möchten.

 

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Eine kleine Paradeisergeschichte

erzählt von Frau Karoline


Früher war alles einfacher!
Als Columbus im 15. Jahrhundert erste Tomaten in die alte Welt brachte, war die alte wie auch die neue Welt noch in Ordnung. Paradeiser waren entweder ROT... oder GELB. Keine unentschlossenen Zwischentöne, keine Streifen, keine Punkte. Kaum Vielfalt, einfach nur ROT oder GELB, wie Paradeiser halt so sind.

Mit der Zeit fanden dann immer mehr Gärtnerinnen Gefallen an der exotischen Pflanze. Bis in die entlegensten Regionen verbreitete sich der Paradeiser. Geduldig passte er sich immer wieder an neue Umweltbedingungen an. Und die Menschen wählten stets jene Tomaten aus, die ihren Vorlieben am besten entsprachen. So entstand rasch eine Vielzahl an lokalen Sorten. Große und Kleine. Dicke und Dünne. Aber immerhin waren sie, nach wie vor ROT oder GELB, wie Paradeiser halt so sind. [Zufriedenes Nicken]

Doch dann geschah etwas, das sich die kühnste Gärtnerin nicht gewagt hätte auszumalen! Plötzlich war sie da, die rosa Tomate! ROSA! Tss! Was soll denn das für eine Farbe sein? Ja, ja, vielleicht für Pfirsichblüten angebracht oder für meine Pelargonien am Balkon, aber doch nicht für einen Paradeiser! Doch wie das Schicksal so spielt, geriet die rosa Tomate einem törichten Gärtner in die Hände, der nicht wusste welche Farbe eine Tomate halt so hat. Zu allem Überdruss fand der Amateur das dann auch noch lustig. So lustig, dass er Saatgut erntete und an seine Freunde weitergab, und die... ja die tauschten es wiederum mit ihren Nachbarinnen, und so weiter. Es konnte also leider nicht verhindert werden, dass sich die falsche Tomatenfarbe rasch etablierte.

Doch damit nicht genug! Es dauert nicht lange und schon wieder erfreuten sich unkundige Gärtnerinnen an einer neuen Farbe, wobei WEISS ja nicht einmal eine richtige Farbe ist! [Abfällige Handbewegung]

Und dann kamen auch noch die BRAUNEN und VIOLETTEN, aus Russland und von den Philippinen, sie waren alle einfach nicht aufzuhalten!

Schrecklich! Dann auch noch ORANGE! [Schlägt auf Tisch]

Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, tauchten dann auch noch grüne Tomaten auf. Reif wie unreif – einfach immer nur GRÜN!

Aber getan hat niemand was, alle haben sie nur zugesehen [Vehementes Kopfschütteln]. Also naja, ich meine, gut ein paar Konzerne haben schon versucht die Vielfalt wenigstens zu unterdrücken. Aber das war halt nicht genug. Die Bevölkerung hat tatenlos zugesehen, ja teilweise sogar mit Freude die falschen Farben unter die Leute gebracht. Wundern darf man sich nicht! Ich frag mich ja nur was ihnen als nächstes einfällt... vielleicht noch schwarze Tomaten mit bunte Sternen [Lautes Lachen]
 
Also wie... was... echt jetzt?

 
 

Die Farbe Schwarz > weiterlesen

 
 

Vor einigen Jahren tauchten erstmals „richtig schwarze“ Tomaten im Anbau auf. Verantwortlich dafür sind Anthocyane in der Schale, die den Früchten eine interessante Färbung verleihen, die eher an dunkle Melanzani erinnert als an Paradeiser. Diese besondere Eigenschaft wurde ursprünglich in drei Wildtomaten entdeckt und von der Arbeitsgruppe um Jim Meyers (Oregon State University) mittels klassischer Kreuzungszüchtung in Kulturtomaten übertragen. Als erste Sorte aus diesem Zuchtprogramm wurde 2012 die Salattomatensorte ‘Indigo Rose‘ verfügbar gemacht.

Die neue Farbe weckte rasch das Interesse zahlreicher Paradeisergärtner und Züchterinnen rund um den Globus. So entstanden durch zufällige und absichtliche Kreuzungen mit anschließender Selektion in kürzester Zeit weitere Anthocyan-Sorten. Leider weisen aber die meisten Vertreter dieser Anthocyan-Familie noch gewisse Mängel auf. Vor allem was den Geschmack betrifft konnte uns bisher keine der schwarzen Tomaten wirklich überzeugen. Auch bei der Farbvielfalt ist das Potential noch wenig ausgeschöpft, bisher dominiert als Grundfarbe unter dem violett-schwarzen Überzug nach wie vor klassisches Rot. Nur sehr vereinzelt sind gelb-schwarze und rosa-schwarze Sorten verfügbar.

 
 

Warum eigentlich "Sternparadeiser"? > weiterlesen

 
 
Sternparadeiser breit stern

Die schwarze Färbung entsteht durch Anreicherung von Anthocyanen in der Schale der Tomate. Licht und Kälte verstärken diesen Prozess. Dort wo die Kelchblätter der Tomate das Licht abhalten ist die Anreicherung sehr gering und die Grundfarbe des Paradeisers kommt zum Vorschein. Dadurch entsteht ein dekorativer Stern, der je nach Stellung der Kelchblätter unterschiedlich deutlich ausgeprägt ist.

 
 
 
 

Sternparadeiser HP 0

2015 - Jedes Züchtungsprojekt beginnt mit der Auswahl der Eltern und dem Durchführen von Kreuzungen. Dafür haben wir auf Mutterseite besonders bewährte Cocktailparadeiser ausgewählt und diese mit verschiedenen Anthocyan-Vätern gekreuzt. Neben Geschmack und Farbvielfalt stellte eine gute Eignung für den Hausgarten und den biologischen Anbau das wichtigste Auswahlkriterium dar.

 

Sternparadeiser HP F1d

2016 – Die erste Nachkommengeneration nach der Kreuzung (auch „F1“ genannt) hat jeweils die Hälfte der Gene vom Vater und die andere Hälfte von der Mutter mitbekommen. Trotz der Fülle an durchgeführten Kreuzungen war die F1 in unserem Fall wie erwartet ziemlich langweilig: überwiegend rot mit leicht schwarzer Schulter, nur vereinzelt Individuen mit rosa Grundfarbe. Das liegt daran, dass die rote Farbe dominant vererbt wird und somit alle übrigen Farben überdeckt. Die Veranlagung für Anthocyanfärbung von väterlicher Seite war zwar an einem leicht schwarzen Überzug erkennbar, für eine kräftig dunkle Färbung hat's aber nicht gereicht.

 

Sternparadeiser HP F22

2017 – Spannend wird’s eben erst jetzt, in der zweiten Nachkommengeneration (F2). Nun mischen sich die Gene bunt durch und es treten verschiedene Farbvarianten auf, je nachdem welche Eltern drinnen stecken. Keine Pflanze gleicht der anderen, vereinzelt werden nun auch vollkommen schwarze Paradeiser dabei sein. Diese Vielfalt wollen wir mit euch gemeinsam erforschen. Daher verteilen wir heuer kostenlos F2-Saatgut an alle interessierte Haugärtnerinnen und Tomatenliebhaber!

 

Vielen Dank für das große Interesse!

Aufgrund der unerwartet vielen Anmeldung und doch begrenzten Saatgutkapazitäten, mussten wir die Anmeldungsmöglichkeit vorzeitig schließen. Wir bitten um Ihr Verständnis!

Am 10. September 2017 findet im ARCHE NOAH Schaugarten eine Sternparadeiser-Ausstellung mit begleitenden Workshops statt. Darüber hinaus wird es im Rahmen einer Saatguttauschbörse erneut die Möglichkeit geben Sternparadeiser-Saatgut zu erhalten. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in Schiltern!

 
 
 
 
 
Philipp Lammer

Kontakt

DI Philipp Lammer
Sortenentwicklung, Projekte
T: +43 (0)650 6220280
philipp.lammer@arche-noah.at

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